Dienstag, 3. Oktober 2006

Deutschland über alles - eine mittelalterliche Retrospektive

Abgelegt unter: Tír na nÓg — -mat- filid brandy @ 00:00:42 CEST

Ir sult sprechen willekommen:
der in mære bringet, daz bin ich.
Allez daz ir habt vernomen,
daz st gar ein wint: nû frâget mich.
Ich will aber miete:
wirt mîn lôn guot,
ich sage iu vil lîhte, daz iu sanfte tuot.
seht, waz mich mir êren biete.

Ich wil tiuchen frouwen sagen
solhiu mære, daz sie deste baz
Al der werlte suln behagen:
âne grôze miete tuon ich daz.
Waz wold’ ich ze lône?
sie sint mir ze hêr:
sô bin ich gefüege, und bite sie nihtes mêr,
wan daz sie mich grüezen schône.

Ich hân land vil gesehen
unde nam der besten gerne war:
Übel müeze mir geschehen,
künde ich ie mîn herze bringen dar,
Daz im wol gevallen
wolde fremeder site.
nû waz hulfe mich, ob ich unrehte strite?
tiuschiu zuht gât vor in allen.

Von der Elbe unz an den Rîn
und her wider unz an Ungerlant
Mugen wol die besten sîn,
die ich in der werlte hân erkant.
Kan ich rehte schouwen
gout gelâz und lîp,
sem mir got, sô swüere ich wol, daz hie diu wîp
bezzer sint danner ander frouwen.

Tiusche man sint wol gezogen,
rehte als engel sint diu wîp getân.
Swer sie schiltet, der’st betrogen:
ich enkan sîn anders niht verstân.
Tugent und reine minne,
swer die suochen wil,
der sol komen in unser lant: dâ ist wünne vil.
lange müeze ich leben dar inne!

– Walther von der Vogelweide

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