Datura Stechapfel * Letzte Änderung:


Warnung vor Datura Stechapfel

From: Frank_Rothweiler@p21.vrc.schiele-ct.de (Frank Rothweiler)
Date: Sat, 05 Nov 1994 11:39:00 +0200
Lines: 59

op1 # hrz.ba-freiberg.de [[Operator des HRZ]]@2:2476/3 versandte am 03.11.94 zum Thema "Stechapfel" folgende Zeichen:

> Hat von euch jemand Erfahrungen mit Stechapfel gemacht und kann mir Tips
> ueber Dosierung, Wirkung und Konsumierung geben ?

Ich rate dir dringend von Experimenten mit Stechapfel ab. Zwar hab ich selber noch nie das Beduerfnis verspuert, derartige Experimente zu machen, doch weiss ich von Leuten, die das schon getan haben, dass es meist ziemlich ueben ablaeuft. Die geringste Wirkung, die schon beim Einatmen der Daempfe - durch Kochen von Stechapfelsamen - entstehen, machen hypergeil. (Das weiss ich nun aus eigener Erfahrung, da ich schon mal dabei war, wie Bekannte sich Stechapfel-Tee gekocht haben.) Jede weitere Wirkung - wie mir die Experimentatoren berichteten - war der blanke Horror, bis hin zu bleibendem Wahnsinn: massive Wahrnehmungsstoerungen, die bei unsachgemaesser Anwendung brachten einen der Teilnehmer an diesem Stechapfel-Experiment fuer laengere Zeit in psychiatrische Behandlung.

Hier noch einige Auszuege aus dem Buch DIE APOTHEKE MANITUS:

Gemeiner Stechapfel (Datura stramonium L.; Jimson Weed; Familie: Solanaceae)
Von de seit 1820 als offizielle Droge (Parasympatholytikum, Narkotikum, Analgetikum und Mydriatikum) anerkannten Pflanze benutzten Heiler der Kalifornien- und Suedwest-Staemme die zerquetschte Wurzel als schmerzstillende und heilwirksame Auflagenkompresse fuer Verbrennungen und Verbruehungen. Indianerheiler empfahlen starken Rauchern mit Bronchial- Asthma, die sich durch unwiderstehlichen Rauchzwang immer wieder in Gefahr brachten, eine "Tabak"-Zubereitung aus Blaettern von Bilsenkraut, Stechapfel und Salbei zu verwenden. 1962 wurde diese "Spezialmischung" fuer Asthmatiker von der Saratow-Universitaet in der UDSSR untersucht und fuer geeignet befunden. Indianerheiler wendeten Datura an bei Erkrankungen der Atemwege, speziell bei Asthma, Ruhr, Magen- und Darmbluten, Katalepsie, Delirium Tremens, Diaphragmitis (Zwerchfellentzuendung), Ekstase, Epilepsie, Hysterie, Meningitis, Keuchhusten, Enuresis (unwillkuerliches Harnlassen), Sonnenstich, Stottern, Tetanus und Typhus.

ACHTUNG: Schon 4 bis 5 g der Rohblaetter (1 bis 2 Teeloeffel) koennen bei einem Kind zum Tod fuehren! Alle Pflanzenteile enthalten die toxischen Substanzen, wobei die Konzentration in den Samen am hoechsten ist. Die unzubereitete und unverduennte Einnahme des Krauts ist lebensgefaehrlich! Indianerheiler wendeten Datura verhaeltnismaessig selten, mit aeusserster Vorsicht in der Dosierung und unte staendiger Beobachtung des Patienten (sie schliefen sogar bei ihm!) an.

Die Idee, Stechapfel als Droge zu missbrauchen, stammt wohl von Lesern des suedamerikanischen Autors Carlos Castaneda. In dem Buch DIE LEHREN DES DON JUAN - EIN JAQUI-WEG DES WISSENS werden tatsaechlich Praktiken und Zeremonien beschrieben, die unter anderem mit der - sehr komplizierten - Anwendung von Stechapfel (in diesem Fall Datura inoxia) in Zusammenhang stehen.

Ich hoffe, dir - und anderen potentiellen Datura-Konsumenten - damit erschoepfend Auskunft gegeben zu haben.

bye - frank



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