Harold A. Hansen * Der Hexengarten * Letzte Änderung:


Stechapfel

Datura stramonium

Aus Jacob Theodor Tabernaemontanus: Neuww vollkommentlich Kreüterbuch, 1613


Warnung!!! Unbedingt diesen Text lesen!!!


Datura, genauer gesagt dhatura, ist von dem Sanskrit-Wort dhat abgeleitet, das zur Bezeichnung eines Giftes diente, das aus Datura metel, einer indischen Stechapfelart, gewonnen wurde. Linné, der im allgemeinen kein Freund von exotischen Namensgebungen war, übernahm diese Bezeichnung als Gattungsnamen, weil er meinte, daß sie die lateinische Wurzel dare enthielt, was soviel wie geben bedeutet, im speziellen vielleicht das Geben bzw. Verordnen von Arzneien, wie zum Beispiel Stechapfelsaft bei Impotenz.
Die Gattung hat sowohl in der Neuen als auch in der Alten Welt zahlreiche Vertreter; in der Alten Welt sind manche Arten eher Kräutern ähnlich, manche der amerikanischen Sorten dagegen kleinen Bäumen und Büschen. Alle Sorten enthalten jedoch in sämtlichen Pflanzenteilen die Alkaloide Hyoscyamin, Skopolamin und Atropin. Allein schon die Blüten sind so berauschend, daß ihr Geruch betäubend und leichte Vergiftungserscheinungen hevorrufen kann. Diese Tatsache sollte jedoch nicht dazu verleitet, die Geschichte vom armen, verlassenen Lakmé in Delibes Oper zu glauben, der Selbstmord verübt, indem er den giftigen Duft des Stechapfelbaumes einatmet - Selbstmord auf diese Art und Weise zu begehen, wäre sicherlich zu langwierig.
Zwar ist Datura stramonium, der europäische Stechapfel, im Laufe der Zeit zu einer immer selteneren Pflanze geworden, trotzdem aber noch hie und da auf Müllhalden und an Stellen anzutreffen, an denen er sich von den Gärten aus ausgebreitet hat; er ist eine Jahrespflanze, die leicht am Geruch, ihren weißen, trichterförmigen Blüten und ihrer Frucht, den Äpfeln, zu erkennen ist, die walnußgroß und dicht mit Stacheln übersät sind. Leider erliegen gerade Kinder nach dem Genuß der Samen tödlichen Vergiftungen; die Samen sind nämlich, solange sie noch unreif sind, schmackhaft und süß, dazuhin noch leicht zugänglich, da die Stacheln der Frucht erst nach der Reife der Samen hart und pricklig werden.


© H. A. Hansen