Auf dem Studenten--Mail--Rechner ist SINIX als Betriebssystem installiert.
SINIX ist eine
Variante des weltweit sehr verbreiteten Workstation-- und
Großrechnerbetriebssystems UNIX. Wie auch UNIX erlaubt SINIX, daß mehrere
Leute gleichzeitig den Rechner nutzen und mit ihm arbeiten.
Wie fast alle Betriebssysteme kann man unter SINIX Dateien verwalten (das
heißt, anlegen, lesen, löschen, kopieren, ...) und Programme aufrufen.
Diese Dateien und Programme sind in der Regel auf der im Rechner eingebauten
Festplatte gespeichert (weshalb Du Deine Post auch nicht auf Disketten
abholen mußt).
Dateien kannst Du mit Hilfe von (kleinen) Programmen, die das Betriebssystem
zur Verfügung stellt, bearbeiten. Diese Programme heißen Kommandos, weil
man den Rechner damit anweist, etwas bestimmtes zu tun.
Direkt nach dem Einloggen und nach der Auswahl des Terminal--Typs erscheint
am linken Rand der untersten Bildschirmzeile eine kleine Meldung des
Rechners (die ähnlich der folgenden ist):
Diese Ausgabe nennt man 'Prompt' (engl. Stichwort). Ein
Prompt erscheint immer, wenn
das Betriebssystem bereit ist, Kommandos entgegenzunehmen. Wenn Du nun
irgendeine Eingabe machst, erscheinen die getippten Buchstaben an der
Stelle, an der das '_'--Zeichen (engl. Cursor, dt. Schreibmarke) blinkt.
Eingaben schließt man mit der
--Taste
ab, auf manchen Tastaturen heißt diese auch
oder
oder
.
Der erste Befehl, den Du lernst heißt ' ls'.
' ls' schreibt Dir auf den Bildschirm, welche Dateien
sich zur Zeit in Deinem Verzeichnis befinden. Das sieht dann beispielsweise
so aus:
Bemerke: die Aufzählung der Dateien ist von links oben nach rechts unten
alphabetisch geordnet. Wenn nach Eingabe von ' ls' nichts erscheint, hast Du
nichts falsch gemacht -- das könnte daran liegen, daß Du noch keine Dateien
erzeugt hast, also noch keine da sind.
Doch das stimmt nicht ganz -- Du besitzt bereits drei Dateien ( .cshrc, .login und
.logout), auch wenn Du
den Rechner zum ersten Mal benutzt. Doch 'ls' zeigt diese nicht an, weil
sie als 'unsichtbar' gekennzeichnet sind. Um auch diese 'unsichtbaren'
Dateien zu sehen, schreibt man die Option ' a'
hinter den ' ls'--Befehl:
Du siehst, daß Dateien, deren Name mit einem '.' beginnt, 'unsichtbar' sind. Wenn du eine unsichtbare Datei erzeugen willst, gib ihr einen Namen, der mit '.' beginnt. Die drei '.'--Dateien oben enthalten übrigens Informationen darüber, was der Rechner tun soll, wenn Du Dich einloggst. Die Datei ' .login' wird aufgerufen, wenn Du Dich eingeloggt hast und enthält beispielsweise das Terminal--Menü. Dies sei aber nur am Rande erwähnt, das ist vorläufig nicht so wichtig.
Der ' ls'--Befehl hat noch eine weitere nützlich Option:
' l'. Sie dient
dazu, die kompletten Dateiinformationen anzuzeigen, denn die normale Ausgabe
von ' ls' listet nur die Dateinamen auf. Die
' l'--Option kann natürlich
mit der ' a'--Option kombiniert werden. Hier ein Beispiel:

Ganz am Anfang der Liste steht, wieviel Plattenspeicherplatz die Dateien
verbrauchen, in unserem Beispiel 47 Kilobytes (rund 47000 Zeichen, ein
Kilobyte sind genau 1024 Zeichen).
Wo nun die beiden Zeilen mit '.' und '..' herkommen, wird später erklärt.
Du siehst nun eine Menge verschiedener Angaben links neben den Dateinamen.
Grob gesagt haben die verschiedenen Spalten folgende Bedeutung:
<Statusbits><Links><Benutzernummer><Dateilänge>
<Datum><Uhrzeit><Dateiname>
Von rechts nach links bedeutet das im einzelnen:
--- ganz rechts steht natürlich der Dateiname.
--- Links daneben stehen Uhrzeit und Datum, an dem die Datei zuletzt
verändert wurde (in der Regel ist das der Zeitpunkt, an dem die Datei
angelegt wurde).
Daran kannst Du übrigens erkennen, wann Deine Kennung
eingerichtet wurde: schau Dir das Datum der Datei ' .login' an.
--- Die nächste Angabe, links vom Datum, ist die Länge der Datei (in Bytes).
Die Datei ' .login' ist somit 1346 Bytes groß, oder auch 1346 Zeichen lang.
--- Eines weiter nach links kommt eine Spalte, in der sowohl Nummern
als auch Namen stehen können. Diese Spalte gibt die 'User--ID'
(=Benutzerkennung) desjenigen, der die Datei erzeugt hat, an. Schau Dir
wieder die Nummer bei der ' .login'--Datei an, und schon weißt Du Deine
Benutzernummer. Eigentlich sollten hier die Namen der Benutzer stehen, aber
SINIX hat die Eigenart, bei großen Benutzernummern die Zahlen statt der
Namen anzugeben. Du weißt jetzt also, daß verschiedene Benutzer des Rechners
verschiedene Namen/Nummern haben, was auch sinnvoll ist, da unter SINIX mehrere
Leute gleichzeitig am Rechner arbeiten können.
An dieser Stelle sei der im obigen Beispiel bereits vorhandene
Benutzer 'root' erwähnt, dem die Datei '..' gehört. ,, root``
ist ein ganz besonderer Benutzer des Rechners: es ist der Systemverwalter,
das heißt, diejenige Person, die sich darum kümmert, daß der Rechner
funktioniert und die neuen Benutzer auf dem Rechner einträgt.
,, root`` ist der einzige
Benutzer, der alle Dateien, auch die von anderen Benutzern, lesen, löschen
oder kopieren kann, und auch der einzige, der Dein Kennwort neu eintragen
kann, wenn Du es vergessen hast. Auch ,, root`` hat eine
eMail-Adresse, nämlich root @ sbustd.rz.uni-sb.de. Ihm kannst Du Post
schicken, wenn Du schwerwiegende Probleme (mit dem Rechner und seinen Programmen)
hast, das sollst Du aber bitte nicht mit der Anwenderberatung verwechseln.
Der Postmaster ist der derjenige der sich um die Verwaltung des
Mail--Dienstes des Rechners kümmert. Für den Studenten--Mail--Rechner ist das
Postmaster @ sbustd.rz.uni-sb.de
Beide, root und Postmaster, sind jeweils nur für den betreffenden Rechner zuständig. Das heißt, daß root @ stud.uni-sb.de jemand anderes ist als root @ fsinfo.cs.uni-sb.de.
Nun hast Du auch gelernt, daß eine Datei einen Besitzer hat. Das
ist in der Regel derjenige Benutzer, der die Datei irgendwann einmal
angelegt hat. Benutzt man ' ls -l', so kann man sehen, wem die Datei gehört.
Was bedeuten nun die Statusbits ganz links? Hier wird es
nun etwas komplizierter. Unter SINIX kannst Du nämlich genau festlegen, wer
auf Deine Dateien zugreifen darf. Dies geschieht mit Hilfe der Statusbits.
Sind alle Statusbits eingeschaltet (eingeschaltet heißt, es steht an der
entsprechenden Stelle ein Buchstabe, wenn das Bit ausgeschaltet ist, steht
dort ein '--'), sieht das folgendermaßen aus:
drwxrwxrwx 1 11131 341 Feb 2 18:25 daten
Die Statusbits kann man aufschlüsseln in vier Bereiche:
d rwx rwx rwx
- --- --- ---
a b c d
Anschließend kommen dreimal hintereinander die Bits 'rwx'. Die drei Buchstaben stehen für ' read', ' write' und 'e xecute'. Sie legen für drei Gruppen von Benutzern fest, ob die entsprechende Datei gelesen, beschrieben (oder gelöscht -- denn Löschen ist schreiben!) oder als Programm ausgeführt werden darf.
Wie Dir nun bestimmt auffällt, haben die meisten Deiner Dateien die Bits
folgendermaßen eingeschaltet: ' -rw-------'. Das bedeutet gemäß obiger
Aufschlüsselung, daß nur Du (als Besitzer der Dateien) die Dateien lesen
oder in sie schreiben darfst. Oder um noch einmal unser ' ls -al'--Beispiel
zu bemühen: die Datei Kleinkram darf von jedem gelesen werden.
Übrigens gibt es eine Abkürzung für ' ls -al'. Da Du diesen
Ausdruck vermutlich öfter eingeben wirst, kannst Du als Befehl
auch ' ll' eingeben:
' ls -al' = ' ll'
Nun stellt sich sogleich die Frage 'Wie schalte ich denn die Statusbits ein
oder aus?'.
Auf diesem Rechner: garnicht
Normalerweise gibt es hierzu ein SINIX--Kommando namens ' chmod'. Durch die Sperrung des Kommandos ' chmod' soll die 'eigenhändige' Portierung von Programmen verhindert werden, um den geringen Speicherplatz nicht zu strapazieren und zu verhindern, daß Unfug mit dem Rechner angestellt wird.
Und nun kommen wir endlich zu den (Unter)Verzeichnissen. Was hat es damit
auf sich? Nun, stell' Dir mal vor, alle Benutzer des Rechners müßten ihre
Dateien alle zusammen in einem einzigen Haufen, sprich Verzeichnis, aufheben.
Du würdest bei Eingabe von
' ls' oder ' ll' nicht nur Deine Dateien, sondern alle anderen ebenfalls
angezeigt bekommen. Bei einigen Dutzend Benutzern sowie einer Vielzahl
von Dateien, die zum Betriebssystem SINIX gehörten, wäre das ein ziemliches
Chaos.
So kam man irgendwann auf die Idee, daß es ganz sinnvoll wäre, Daten ähnlich wie in Akten auf der Festplatte zu sortieren. Jeder Benutzer hätte seine 'Akte', das Betriebssystem wäre ebenfalls in einem eigenen Aktenstapel untergebracht, und man könnte einigermaßen Ordnung halten. Genauso wurde es dann auch eingerichtet. Nur anstelle von Akten gibt es auf der Festplatte Verzeichnisse. Verzeichnisse haben Namen, genau wie Akten. Deine Dateien befinden sich in einem solchen Verzeichnis, es trägt als Namen Deinen Benutzernamen. Nun gibt es auch andere Verzeichnisse, zum Beispiel die von anderen Benutzern. Doch wie sind die Verzeichnisse auf der Platte angeordnet? Es gibt da ein Hauptverzeichnis, welches von Anfang an vorhanden ist, es heißt 'ROOT'--Verzeichnis oder auch Wurzelverzeichnis. Der Name wurde deshalb so gewählt, weil sich von diesem Hauptverzeichnis aus sich die Unterverzeichnisse ausbreiten wie die Zweige eines Baums. Der unter SINIX für dieses Verzeichnis verwendete Name ist '/' (das '/'--Zeichen heißt unter Informatikern übrigens 'slash'). Von hier aus gehen verschiedene Verzeichnisse ab.
Es gibt ein SINIX--Kommando namens ' cd' (change directory -- wechsle Verzeichnis), mit dessen Hilfe man durch die Verzeichnisse blättern kann. Es funktioniert folgendermaßen:
Nun wissen wir auch endlich, was bei dem ' ls'--Beispiel die beiden Dateien
' .' und ' ..' bedeuten: sie geben uns die Statusbits des aktuellen
Verzeichnisses ' .' (in dem wir uns gerade befinden) und des übergeordneten
Verzeichnisses ' ..' an. Das '/'--Zeichen steht übrigens nicht nur für das
Hauptverzeichnis, sondern wird auch als Trennzeichen bei Dateinamen
verwendet, die mehrere Verzeichnisnamen beinhalten. Solche Namen heißen
dann Pfadnamen (oder einfach Pfad), weil sie den kompletten Weg zu der
angegebenen Datei beinhalten:

Nun sehen wir auch schon, wo auf der Festplatte sich die
Benutzerverzeichnisse befinden: in dem Unterverzeichnis 'usr' und darin im
Unterverzeichnis 'MAIL' -- dort stehen alle Leute, die den Rechner zum
Verschicken von Post benutzen.
Es gibt noch ein weiteres Kommando im Zusammenhang mit Verzeichnissen:
'pwd' (print working directory -- aktuelles Verzeichnis ausgeben).
Es
schreibt Dir den vollen Pfadnamen des Verzeichnisses auf den Bildschirm, in
dem Du gerade bist. Als Beispiel das Verzeichnis, in dem ich mich nach dem
Einloggen befinde:

Gib nun einfach einmal ' cd ..' ein. Der Rechner wechselt, ausgehend von
Deinem Verzeichnis, um ein Verzeichnis nach oben. Durch Eingabe von ' pwd'
kannst Du dies kontrollieren -- als Pfad sollte jetzt ' /usr/MAIL' ausgegeben
werden. Wenn Du nun ' ls' benutzt, bekommst du die Verzeichnisse der anderen
Mail--Benutzer aufgelistet. Mit ' cd <Dein Benutzername >'
kommst Du wieder in
Dein Verzeichnis. Mit Hilfe von ' cd' kannst Du Dich nun ein wenig im
Dateiverzeichnis des Rechners umsehen. Doch wichtig ist zur Zeit vor allem
Dein Verzeichnis.
Jetzt stellt sich nur noch das Problem, wie man den Inhalt von Dateien anschauen kann. Auch dafür gibt es ein kleines Programm: ' less'. Es gehört zwar nicht zu SINIX (daher ist es auch in Englisch gehalten), aber erfüllt seinen Zweck. Die Benutzung ist recht einfach: schreibe ' less Post', dann bekommst Du den Inhalt der Datei ' Post' auf den Bildschirm geschrieben. Diesmal wird aber nicht die gesamte Datei ununterbrochen auf den Bildschirm ausgegeben, sondern Du kannst seitenweise blättern. Nach einem Bildschirm wartet das Programm darauf, daß Du bestimmte Tasten drückst. Wichtig sind folgende Tasten:

' less' kann auch noch mehr, aber dazu schaust Du Dir am besten die
Hilfeseite von ' less' an und probierst die Sachen einfach aus.
In diesem Fall sind also drei Benutzer eingeloggt: lofr, frhe, gele.
Die Angaben ' ttyl0'
usw. beziehen sich darauf, von wo aus der Benutzer arbeitet. Steht da
' ttyl', so hat sich der/die Betreffende von einem anderen Rechner aus
eingeloggt. Bei ' tty' (ohne ' l') arbeitet jene Person direkt am Rechner.
Nun gibt es die Möglichkeit, sich direkt mit einem der anderen Benutzer zu
unterhalten. Das zugehörige Kommando heißt ' write'. Es wird ähnlich
benutzt wie ' mail', wenn Du einen Brief verschicken willst:

Auch hier wartet das ' write'--Programm genau wie 'mail' nach der Eingabe des
Kommandos auf den Text, den man dem anderen Benutzer auf den Bildschirm
schreiben will. Genau wie bei ' mail' wird hier die Nachrichtenübertragung
mit
,
oder
+
beendet.
Der oder die Angeschriebene weiß übrigens, wer die Nachricht gerade
schreibt, denn aus der Sicht von ' frhe' sieht obiges Beispiel so aus:

' frhe' könnte jetzt natürlich ' write lofr' eingeben,
und dann könnten sich beide im Dialog miteinander per Rechner unterhalten.
Ein Problem hat die Sache mit dem ' write'--Befehl allerdings:
stelle Dir vor, Du möchtest gerne
Deine Post lesen, aber irgend ein Witzbold schreibt Dir dauernd
andere Texte auf den Bildschirm. Doch dagegen ist ein Kraut gewachsen:
tippe in der Shell ' mesg n' ein -- schon kann Dir niemand mehr
per ' write'
irgend etwas auf den Bildschirm schreiben. ' mesg j' hebt die Sperre
wieder auf.
Meist findet sich ja jemand, der einem 'mal schnell' weiterhilft, notfalls gibt es ja auch noch die Anwenderberatung des Rechenzentrums und die Fachschaft Informatik. Wer sich mehr mit UNIX beschäftigen will, dem sei der Gulbins empfohlen [2].