2.März 1996
Abenteuer Amerika
Zwei Semester in Missouri
Tagebuch - chronologisch geordnet
Februar 1996
- 1.2.96: Am Morgen findet wieder die Marketing-Vorlesung
statt. Die Klasse stimmt über unsere Logo-Entwürfe ab, danach wird
noch etwas Arbeit verteilt und angekündigt, daß Apple Computer ebenfalls
Kunde ist. Ich begebe mich daraufhin ins Apple-Team.
Danach bastele ich an Computern, insbesondere spiegele ich die Ernst-Zündel-Homepage,
nicht unbedingt, weil ich mit dem Inhalt übereinstimme (braune Propaganda
und Holocaust-Leugnerei), sondern weil ich mit dem Vorgehen in Deutschland,
ganze Netzwerkhierarchien zu sperren, weil die Homepage dort ist, nicht
einverstanden bin. Das MIT, Stanford und andere bekannte Plätze denken
ebenso. Weitere Details unter diesem Link.
In Electronic Photojournalism wohnen wir einer Führung durch die (noch)
nichtdigitale Welt der Zeitungsproduktion an der School of Journalism. Inklusive
Schnibbeltisch und Druckmaschinen, Fotolabor und so weiter. Danach vereinbaren
Interessierte noch ein Treffen für heute abend, 6:30 Uhr, um das Ereignis
der nächsten Woche vorzubereiten: 24
hours in Cyberspace,
einem internationalen Fotoereignis, welches eine 24-Stunden-Dokumentation
erstellt, wie Internet und 'Cyberspace' das Leben von Menschen beeinflußt.
Die hiesige School of Journalism ist eines der Profi-Fototeams darür und
es sieht so aus, als würde ich zumindest auf technischer und kreativer
Ebene dabei durchaus eine Rolle spielen.
Die Datenbank-Vorlesung lasse ich zu Gunsten einer Ruhepause ausfallen - ich
habe mal wieder Fieber und zudem Druck auf den linken Ohr. So langsam mache ich
mir Sorgen um eine Mittelohrentzündung.
Am Kaffeeschalter in Brady Commons treffe ich Mike, wir plaudern eine Weile und
dann rufe ich im Student Health Center
an, um einen Termin zu bekommen. Ich solle einfach vorbeikommen, lautet die
Antwort.
Um 2:30 kommt Gabi auf eine Tasse Kaffee vorbei, und danach radele ich durch die
Käte ins Health Center. Dort muß ich erst einmal einen Fragebogen
ausfüllen, auf dem man diverse Symptome ankreuzen kann, die mit Grippe
und Erkältung zu tun haben. Dem Bogen ist deutlich anzusehen, daß
die linke Spalte die harmlose Erkältung diagnostiziert und Kreuze in
der rechten Spalte einem einen Termin beim Arzt verschaffen. Ich kreuze also
Schleimfluss, schwerer Husten, Taubheitsgefühl, Fieber und noch etwas
Kleinkram an, und erhalte für Viertel nach vier einen Termin bei einer
ärztin.
Die Stunde bis dahin verbringe ich im Reisebüro, auf der Suche nach einem
billigen Flugticket nach Boston zur Konferenz 'Computers, Freedom and Privacy'.
Leider stellt sich heraus, daß Flüge nach Boston teurer sind als Flüge
nach Mittelamerika, nämlich rund 380 Dollar, und damit ist die Konferenz
gestorben. Dafür gibt es ein Angebot nach Phoenix, Arizona: $90 für
beide Wege. Leider liegt das Konferenzwochenende geau drei Tage nach Auslaufen
des 'Federal Budget', so daß ein Blitzbesuch beim Grand Canyon einfach
zu riskant ist.
Im Health Center werde ich von einer Ärztin untersucht (das heißt:
Blutdruck messen, Fieber messen, Beschwerden anhören, Ohren untersuchen)
und das Resultat ist: Erkätung mit Mittelohrentzündung. Ich bekomme
eine sehenswerte Tüte mit 6 verschiedenen Medikamenten in die Hand gedrückt (zwei
davon allerdings nur Hustensaft und Kopfschmerztabletten), zahle $10 für
das Penicilin und werde entlassen.
Um 6:30 ist Treffen mit der Projektgruppe für '24 hours in Cyberspace'.
Wir sammeln Ideen für eine Fotostory und teilen Recherchearbeit auf.
Das nächste Treffen ist für morgen Nachmittag
angesetzt.
Zu Hause kochen wir Abendessen, und ich gehe recht früh ins Bett.
- 2.2.96: Morgens radele ich durch die Käte zur
Betriebssysteme-Vorlesung, und danach treffe ich Sarah im 'Le petit Cafe' in
der North Ninth Street. Das Cafe ist mir noch nie aufgefallen, obwohl ich
praktisch jeden Tag daran vorbeifahre. Jedenfalls gibt es hier französisches
Essen (frisch gebackenes Brot für $2 zum mitnehmen, Suppen, Quiche, Salate, Fleisch) und
ich
treffe Sarah zum Frühstück, damit sie mir etwas über ein lokales Computernetz,
das
von Farmern genutzt wird, erzählen kann - dies ist eine unserer
Ideen für die '24 hours in Cyberspace' - Aktion.
Das Gespräch schweift ab und dauert länger, dafür geht sie
aber um vier Uhr nachmittags dann gleich mit zum nächsten Treffen des
Teams. Wesentlich weiter sind wir alle in Sachen Recherche immer noch nicht
gekommen, und nach etwas Strategiebesprechungen und - dank Sarah - neuen Namen
trennen wir uns zwecks weiterer Recherche und werden uns am Sonntag
wieder treffen.
Zurück im Haus in der 9th Street
treffen wir auf Gabi, die gerade einen Reissalat zum Abendessen macht, und uns
damit die Entscheidung über das Menü abgenommen hat. Nach dem Essen
spielen wir ein paar Spiele, und schließlich fährt Sarah nach Hause
und Gabi und ich gehen schlafen. Der Mann im Radio sagt etwas von
'Rekordkälte in Columbia' und Temperaturen um minus dreißig Grad
Celsius. Am Nachmittag war die Heizung augefallen. Nach langem Gefummel an
der Elektronik und den Gashähnen und
Rufen eines Heizungsfachmanns fanden wir den Grund: das Abgasrohr außerhalb
des Hauses war mit dem Kondenswasser aus dem Abgas von innen her zugefroren
(nicht ganz zu, aber verengt) und das Kondenswasser lief im Rohr in die
Heizung zurück.
- 3.2.96: Samstag - Ausschlafen. Zum Frühstück
hole ich einen Hefezopf mit Orangengeschmack im 'Le petit Cafe', und
gegen halb eins radele ich ins Computerlab, um Arbeit zu erledigen und ein
paar Sachen auszudrucken, die ich dann mit den Skripten vom letzten Semester
binden lassen will, um die Ordner frei zu bekommen, in denen sie jetzt sind.
Gabi fährt mit Sarah einkaufen.
Ich komme um sieben Uhr heim, esse zu Abend und später kommen
Sarah und Sebastian mit Sarah's Fernseher vorbei. Gabi und Sebastian leihen
die Rocky Horror Show aus, und wir machen Toast dazu. Und Bier. Ende gegen zwei Uhr
morgens.
- 4.2.96: Zum Mittagessen gibt es einen von Gabi gebackenen
Zwiebelkuchen und danach treffe ich mich mit dem 24
hours in Cyberspace-Team zur Besprechung.
Und schließlich wartet noch Arbeit im Computerlab, die mich bis zum Abend
beschäftigt.
Unter anderem fange ich endlich die seit langem geplante Serie von
Essays zu Themen rund um meinen Aufenthalt in den USA an.
Gabi lernt im Cafe, und als sie nach Hause kommt, sind wir
eigentlich alle ziemlich müde.
- 4.2.96: Am Morgen gibt es die übliche Vorlesung.
Danach fahre ich nach Hause und telefoniere ordentlich in der Gegend herum, bis
ich endlich die Firma habe, die für
RAIN - das 'Rural Area Information
Network' - verantwortlich ist: Mid Missouri Telephone. RAIN ist das Hauptziel
unserer Recherchen für 24 hours in Cyberspace.
Desweiteren gibt mir eine der Schwestern von Sarah noch eine Liste Namen und
Telefonnummern, und somit ist für Beschäftigung gesorgt. Am
kommenden Donnerstag ist Deadline: dann werden wir 'auf's Land'
fahren und die Fotos und eventuell Tonaufnahmen für unseren Beitrag machen,
alles bearbeiten und einsenden (per Internet, versteht sich).
Nächster Termin ist ein Treffen mit der Recherchegruppe um 4:30, wo ich
vom Music Cafe aus, wo ich Gabi traf, hingehe. Wir besprechen Details der
nächsten Tage.
Danach bleibt mir noch etwas Zeit, mein Project-Proposal
für Electronic Photojournalism
zusammenzuschreiben und -zeichnen. Nicht, daß ich bereits davon überzeugt
bin, daß meine Idee implementierbar ist, aber es ist ja auch nur eine
vorläufige Projektbeschreibung. Es handelt sich ein System zur Präsentation
interaktiver Fotografien per World Wide Web.
Um sieben Uhr gehe ich wieder ins Music Cafe, diesmal, um die Studierendenorganisation
'Campus Peaceworks' zu treffen. Hier wird viel über eine im letzten Jahr
erfolgte Streichung des Nichtdiskriminierungszusatzes für Homosexuelle
aus den Richtlinien der University of Missouri diskutiert, Standdienst für
den Activities Market am kommenden Mittwoch eingeteilt und
Tee getrunken.
Nach einem kleinen Abendessen zu Hause fahre ich wieder ins Computerlab, um
ein paar Dinge fertig zu schreiben und einen Literaturhinweis auf meiner
Web-Seite gegen deutsche
Internetzensur unterzubringen.
Später am Abend bin ich wieder zu Hause, und das war der Montag.
- 6.2.96: Der heutige Dienstag bringt die üblichen Vorlesungen,
eine Besprechung des 24 hours in Cyberspace-Teams
sowie Programierarbeit an den Operating-Systems - Hausaufgaben mit sich.
Gegen 6:30 am Abend gehe ich zur Kletterwand, um Fred ein paar Formulare zu
übergeben, die er für bürokratiche Erledigungen des Kletterclubs braucht.
Wir sprechen noch über den Ablauf des KLetterwettbewerbs am kommenden
Wochenende, und danach sitze ich wieder am Computer und programmiere.
Um neun Uhr treffe ich zum Stammtisch bei 'Shakespeare's' ein, und bin
mal wieder der Erste. Dafür kommen aber zwei neue Leute, die meine
Flugblätter gesehen haben, sowie Mike, Rainer und
Gabi vorbei und es dauert mal
wieder bis Mitternacht.
- 7.2.96: Heute morgen beschließe ich, das
Ephedrin für meine Erkältung nicht mehr zu nehmen, weil es
mich die vergangenen Tage lang schlichtweg zu schläfrig und
träge gemacht hat. Also weg damit, bleiben noch das Penicilin und
der Hustensaft übrig.
Das erste Ereignis des Morgens ist die Betriebssysteme-
Vorlesung. Der Dozent beginnt - wie schon fast üblich - damit, sich
über schlampige Programmierung, mangelhafte Fehlertoleranz und zu
weitreichende Annahmen der Programmierer über die Intelligenz der
Benutzer von Software auszulassen. Und nebenbei kündigt er uns an,
daß er unsere Hausaufgaben schon mit einem Input füttern
werde, der sie zum Absturz bringt.
Danach verbringe ich eine Weile am Telefon und treibe Recherche für
unsere morgige Fotostory. Schließlich ist es Zeit für die
'Military and Society'-Vorlesung, und dort wird heute über die Details
der Offizierslaufbahn bei der US-Armee vorgetragen.
Um 4:30 ist letzte Besprechung des '24 hours in Cyberspace'-Teams, und wir
leihen uns ein Bandgerät und diverse Mikrophone aus, mit denen wir
die Gespräche aufzeichnen wollen. Dann wird noch heiß über
das Layout diskutiert, und letztendlich einigen wir uns auf eine zweigleisige
Storyführung: eine Textlinie und eine Fotolinie, zwischen denen man
jederzeit wechseln kann. Die Designer werden losgeschickt, die Icons und
leeren HTML-Seiten zu entwerfen, die unsere Web-Seiten zieren sollen, und
ich schlage mich noch eine Weile mit Realaudio
und der damit verbundenen Software herum. Da man zum Abspielen aus einer
Webseite heraus aber einen Webserver und einen Realaudioserver braucht, ich
aber keine Lust habe, über Nacht beides noch auf einem Macintosh zu
installieren, laßssen wir die Implementation unserer Audiobeiträge
einfach mal im Raum stehen. Treffpunkt wird um 5:30 am Morgen sein - die
FotografInnen im Team wollen die Morgenstimmung einfangen.
Am Abend bekomme ich noch einen Anruf von den Samsons, daß sich
für morgen noch zwei Trucks zum Maisladen angesagt hätten, und
zwar für halb neun Uhr morgens.
Das Wetter ist wärmer geworden, schon recht angenehm im Vergleich zu der
lausigen Kälte der letzten Woche.
- 8.2.96: Recherche- und Veröffentlichungstag für
unsere Story für
'24 hours in Cyberspace'.
Das heißt, daß ich um 5 Uhr morgens aufstehe, meine Kamera mitsamt
Stativ, Feldflasche, ein paar Bananen und anderem Kleinkram in den Rucksack
stopfe, mich nach einem extrastarken Kaffee aufs Fahrrad schwinge und zum
'County Boy', einem die ganze Nacht geöffnetem Truckstop an der Ecke
Broadway/6th Street - begebe, um Eric Adams und Ting-Yi Hsu zu treffen, mit
ihnen zu Frühstücken und dann in Richtung Marshall, Missouri aufzubrechen,
um die Farm der Samsons bis Sonnenaufgang zu erreichen.
Ich bin der erste des Teams, der sich einfindet, und beobachte eine Weile einen
Mann beim Verlegen von Telefonkabeln unter der Decke des Truckstops.
Dann packt er einen Laptop aus, zwei mit Klebeband zusammengebundene Modems,
eine schwarze Plastikkiste und ein Tischmikrofon mitsamt Kopfhörer.
Es stellt sich heraus, daß er 'Talk Radio' für den Sender ABC
macht, live, über 2 Telefonleitungen und ohne Satellitenverbindung. Er meint,
die Audioqualität sei Spitze dank neuer Software, und unterhält
sich kurz darauf mit seinen Technikern irgendwo weit weg im Studio per
Mikrophon und Kopfhörer. Dann, nach einer live-Ansage, die mich ein
wenig an Rush Limbaugh erinnert - es ist von 'Ist dieses Land noch zu retten?'
und anderen Phrasen zu hören - geht er mit einem digitalen Kassettenrekorder
durchs Lokal und befragt Anwesende zu ihren Verbesserungswünschen
bezüglich amerikanischer Politik. Wir - Eric und Ting-Yi sind inzwischen
auch eingetroffen - werden auch befragt, und ich mache ein paar bissige
Bemerkungen über Government-Shutdowns. Ting-Yi übrigens auch, Freunde
von ihr hatten nämlich wegen der Schließung der Botschaften kein
Einreisevisum zu Weihnachten bekommen.
Nach dem Frühstück geht's los nach Marshall. Gegen 7:30 erreichen
wir die Samson-Farm, die etwa zwei Meilen nördlich des Ortes liegt.
Inmitten von Feldern gelegen, besteht der Kern der Farm aus zwei großen
Hallen mit Fahrzeugen und Gerät, acht riesigen Silos und einem neben
diesen Anlagen recht klein wirkenden Haus. Wir werden freundlich
begrüßt, herumgeführt. Ich verzichte auf eine genaue Beschreibung
der Farm und der Samsons, weil ich dies ohnehin (allerdings auf Englisch)
in der Photostory
'Portrait of a Cyberfamily' tue.
Der Vormittag vergeht mit Fotografieren, Maryann Samson über ihre
Internetnutzung befragen, dem Maisverladen aus den Silos (einer der beiden
Trucker ist fast 83 Jahre alt und fährt seit fünfzig Jahren),
Klettern auf die Getreidesilos, in denen Benedick Samson sein Getreide
jahrelang lagert, bis ihm der Marktpreis gefällt und einem Frühstück
auf der Farm - mit frisch gebackenem Brot.
Gegen Mittag verlassen wir die Farm und rasen mit 85 Meilen pro Stunde in
Richtung Columbia, wo wir um 12:30 einen Termin mit Maryann Redelfs und Sarah Samson,
zwei Töchtern der Samsons, haben. Das Treffen findet an der 'University
of Missouri Extension' statt. Dort machen wir ein paar Interviews und Fotos,
und danach fahren wir mit Sarah in eines der Computerlabs, um sie beim Lesen
ihrer E-Mail zu fotografieren.
Schließlich geht die eigentliche Produktion des Projektes los. Es ist drei
Uhr nachmittags, und Eric und Ting-Yi beginnen mit der Filmentwicklung. Ich
schreibe die Portraits der Familie, und als die Designer ankommen, müß
ich leider feststellen, daß ihre HTML-Seiten, in die wir Bilder und Text
einkopieren wollten, mehr oder weniger unbrauchbar sind. Die Grafiken sind dafür
allerdings recht hübsch - auf 50er Jahre getrimmt.
Einige Zeit später - wir haben inzwischen die Filme gesichtet - kommt Eric vom
Scanner zurück, und nun haben wir auch unsere Fotos 'drauf. Wir arbeiten weiter
bis um acht Uhr am Abend, und dann ist Schluß. Nicht etwa, weil wir nicht
noch länger arbeiten könnten, aber Thorne
Anderson, Dozent von
'Electronic Photojournalism' und
'Faculty Advisor' des '24
hours in Cyberspace'-Projekts an der School
of Journalism in Columbia hat den Kurs
für heute Abend zu sich eingeladen, damit jede/r der PhotojournalistInnen ein paar
Dias zeigen kann. Wir sind ohnehin schon eine Stunde zu spät dran, aber ich radele
erst mal nach Hause, mich umziehen, ein paar Dias zusammensuchen (unter anderem die vom
Zion National Park), ein paar Minuten Beziehungszwist zwischen Chris und Kristie genießen
(sie haben sich an dem Abend tatsächlich mal wieder getrennt - diesmal hat's bis zum
Valentinstag gereicht) und dann fahre ich zu Thorne's Haus. Das ist
nicht allzu weit weg, ganze zwei Blocks.
Die Diavorführung ist schon fast zu Ende, und ich zeige meine Bilder als letzter.
Besonders viel Kommunikation zwischen den Studierenden läuft auch nicht mehr ab,
und das Cyberspace-
Team
ist auch ausreichend müde und gestreßt. Ich trinke noch ein paar Bier und bin gegen
elf Uhr wieder zu Hause, wo ich endlich etwas zu Essen bekomme: ich koche mir Spaghetti.
(Ist es nicht doll, wieviele Querverweise man auf einer einzigen Seite unterbringen kann?)
- 9.2.96: Der Freitag beginnt mit der Betriebssysteme-Vorlesung.
Danach mache ich mich an den Texten der Cyberfamily-
Story zu schaffen und programmiere ein wenig für einen der Kurse.
Nachmittags um drei Uhr treffe ich mich mit Anderen vom
Kletterclub und wir demontieren
die gesamte Kletterwand,
um die Griffstücke zu säubern. Ich helfe einige Stunden mit und gehe dann ins
Computerlab zurück, um an den Stories weiterzuschreiben und an meinem Programm zu
feilen.
Später treffe ich Gabi zuf einen Becher Tee in Brady
Commons, und als wir dort fertig sind, entdecken wir einen Schwarm Enten, die zwischen
zwei Gebäuden sitzen und vor Menschen überhaupt keine Angst zu haben scheinen.
Ich kaufe ihnen einen Keks, und alle sechs Enten kommen, um mir aus der Hand zu fressen.
Ach ja, das Wetter (das kommt ja immer am Ende des Tages, wenn mir sonst nichts mehr
einfällt): 15 Grad, Sonnenschein, und der Kletterclub fürchtet, daß die
potentiellen Teilnehmenden lieber 'raus klettern gehen werden als daß sie sich
an unserer Kletterwand abstrampeln.
- 10.2.96: Endlich mal wieder Wochenende. Das wird von mir
unf Gabi gleich genutzt: spät aufstehen und ein Frühstück mit
frischem Vollkornbrot aus 'Le petit Cafe'.
Ab 10 Uhr ist Bau der Kletterrouten an der Kletterwand. Das überlasse ich
den Fortgeschrittenen, und gehe statt dessen ins Computerlab, um die vielen
verschiedenen Schilder, die wir im und ums
Recreation-Center aufhängen
werden zu entwerfen und zu drucken.
Zwischendurch ist noch eine Schicht Lernen 'dran, und am späten
Nachmittag bastele ich auch noch ein neues
Flugblatt
für den Club.
Gegen 8:30 bin ich wieder zu Hause, koche Abendessen mit Gabi und wir trinken
noch ein Bier.
- 11.2.96: Der Tag der 'Vertical Extravaganza' - des
Kletterwettbewerbs. Die Clubmitglieder treffen sich um 9 Uhr an der
Kletterwand, um
die Tische aufzustellen, Poster und Hinweisschilder anzubringen und den
Anmeldetisch aufzubauen. Auf dem Hinweg kaufe ich mir einen Hefekuchen bei
der 'St.Louis Bread Company' sowie einen Kaffee in Brady Commons.
Nachdem ich die ganzen Schilder, die ich gestern druckte aufgehängt
habe, gibt es erst mal Frühstück. Schließlich verlegen wir
noch ein paar Kabel, stellen meinen Radiorekorder im Warteraum für
die Teilnehmer auf, und dann kommen auch schon die ersten Wettkämpfer
zur Anmeldung.
Der Wettkampf startet um 11 Uhr, und dauert bis circa 17 Uhr. Die Wettkämpfer
haben sieben Minuten für jede der drei Routen pro Klasse, und innerhalb
der sieben Minuten dürfen sie drei Versuche starten. Gewertet wird die
zurückgelegte Distanz, gemessen in in Griffstücken an der Kletterwand.
Ich bin während des Wettkamps wahlweise Laufbursche, Fotograf,
T-Shirtverk&asuml;ufer, Anwerber für neue Mitglieder oder
Student, der in seinen Büchern büffelt. Nach fünf Uhr ist
Preisverleihung, wo wir verschiedene Preise unserer Sponsoren vergeben
(die gar nicht mal so geizig waren: es gab beispielsweise ein Seil,
einen 'Friend', G¨rtel voller Karabiner usw.). Der Access Fund -
eine gemeinnützige Organisation zur Erschließung und Erhaltung
von Klettergebieten - war mit einem eigenen Tisch vertreten.
Die Teilnehmenden gehen, und die verbliebenen ClubmitgliederInnen
räumen auf. Danach treffen wir uns in Shakespeare's Pizza, und der
Club gibt eine Runde Pizza und Softdrinks aus für alle, die bei
der 'Vertical Extravaganza' geholfen haben.
Schließlich lande ich zu Hause, treffe Gabi und bin zu müde,
um noch zu Lernen oder etwas zu unternehmen.
- 12.2.96: Der Morgen beginnt mit 'Operating Systems II'.
Danach arbeite ich an den Datenbank-Hausaufgaben für morgen, denn
schließich habe ich sieben von zehn Tagen der Bearbeitungszeit mit dem
'Portrait of a Cyberfamily' und
dem
Kletterwettbewerb des Kletterclubs
verbracht. Da ich davor auch noch krank war, gewährt mir der Dozent immerhin
einen teilweisen Aufschub bis Donnerstag, trotzdem sind für morgen sechs
der acht Aufgaben fällig.
Am Abend finded wieder ein Treffen der Campus-Peaceworks-Gruppe statt. Die
Diskussionen über potentielle Aktionen sind mal wieder besonders zäh,
und selbst Sarah's Recherchedaten über ein neues 2000-Auto-Parkhaus der
Uni, welches mitten in der Stadt gebaut werden soll und zwölf Millionen
Dollar kosten wird (und alle eingeschriebenen Studierenden sollen pro
Semester sieben Dollar zum Unterhalt zahlen - egal, ob sie Autos haben oder
nicht) bringt niemanden aus der Ruhe. Ich bin etwas frustriert nach dem Treffen,
nachdem ich erwartet hatte, hier die politischen Aktivisten zu treffen.
Immerhin hat Tom zu einer Party eingeladen, die am kommenden
Samstag stattfinden soll. Vielleicht kann ich da ja ein paar Leute gewinnen,
die sich gegen das Parkhaus engagieren wollen.
Am Abend stehen neben dem Abendessen eigentlich nur noch Datenbank-Aufgaben
auf dem Programm.
- 13.2.96: Heute passiert nicht viel Ungewöhnliches.
Neben den üblichen Vorlesungen findet
noch eine Besprechung mit der
'24 hours in Cyberspace'-
Gruppe über weitere Arbeiten am Projekt
statt. Am Abend ist Stammtisch bei Shakespreare's, und neben Debbie, Nathalie,
Nicole, Gabi und mir taucht niemand auf. Gabi und ich helfen Debbie beim
Ausfüllen eines Praktikumsantrags auf Deutsch, und gegen elf Uhr abends
gehen wir nach Hause. Wir haben uns mit Debbie verabredet, weil sie am
kommenden Samstag ein Bewerbungsgespräch auf Deutsch
hat und noch ein wenig üben möchte. Auf dem Heimweg kaufe ich im
University Supermarket noch eine Schokoladentorte für's
Frühstück.
- 14.2.96: Valentinstag. Kuchenfrühstück.
Vorlesung, Aufgaben machen, Computerkrams.
Abends gehen Gabi und ich Essen in die 'Pasta Factory'. Das ist ein nettes,
nicht zu teures Nudelrestaurant am Broadway. Viele Leute sind am späterern
Abend nicht auf der Sträße, dafür aber ein Paar Fotografen,
die im Auftrag des 'Chamber of Commerce' Sofortbilder von Valentinspäarchen machen.
Viele Lokale sind nach neun Uhr abends geschlossen, damit die Angestellten
auch noch etwas vom Valentinstag haben.
- 15.2.96: Neben den Vorlesungen bin ich heute noch damit
beschäftigt,
den letzten Teil meiner Datenbankaufgaben feritgzumachen und abzugeben. Danach
treffe ich Vanaja, eine indische Studentin, mit der ich mein Projekt für
die Fatenbanken-Vorlesung bespreche.
Am Nachmittag arbeite ich an der Web-Seite mit Fotos von amerikanischer
Weihnachtsbeleuchtung, und ansonsten fühle
ich mich ziemlich ausgebrannt von den Aktivitäten der letzten zehn
Tage.
- 16.2.96: Am Morgen gibt's die Betriebssystemvorlesung, ansonsten
mache ich nicht viel. Ich hänge etwas durch, und brauche wohl ein oder
zwei Tage Ruhe. Nachmittags bin ich zu Hause, um mich etwas auszuruhen,
und gerate mit Christopher Thogmartin (oder 'Chris' - aber hier halte ich den
vollen Namen für angebracht) in einen handfesten Streit über seine
Musikhörgewohnheiten und vor allem die Macke, bei voll aufgedrehter
Anlage das Haus zu verlassen. Da es ihm auch nicht recht ist, daß ich sein
Zimmer betrete, um die Lautstärke 'runterzudrehen und er sich wie immer
vollkommen kindisch benimmt, drohe ich ihm an, in Zukunft ganz ungeachtet
möglicher Aktivitäten auf seinem Computer wie Spielen oder Modembenutzung
die Anlage mit der Sicherung zum Schweigen zu bringen.
Um sechs Uhr treffe ich Ting-Yi im Multimedia-Lab, wo sich die drei Aktiven von
'24 hours in Cyberspace'
verabredet haben. Eric hat aber keine Zeit und hat die Kassetten mit den
Interviews, die Gegenstand des Treffens sein sollten. Also gehe ich mit Ting-Yi
essen und plaudern.
Sarah hat Gabi und mich für heute Abend um Acht auf eine Folk-Tanzveranstaltung
eingeladen. Wir gehen mit Sebastian und Debbie hin, die Veranstaltung macht
allerdings einen solchen Eindruck, daß wir lieber gegenüber ins
Music Cafe gehen und Debbie und Gabi sich auf Deutsch unterhalten, damit
Debbie noch etwas Übung bekommt für ihr Vorstellungsgespräch
morgen. Ich bin nicht besonders sozial eingestellt heute Abend und spiele
mit den Computern rum.
Gegen elf Uhr ist das Tanzen zu Ende, und Sebastian und Sarah kommen ebenfalls
ins Music Cafe. Wir plaudern, und Sebastian und Gabi spielen Schach. Ich gehe
mit Sarah einen Nachtspaziergang machen, weil wir beide am Einschlafen sind
und etwas frische Luft nicht schaden kann.
Eine halbe STunde später sind wir wieder im Music Cafe, und die Gruppe
beschließt, noch ein paar Getränke zu kaufen (es ist ca. ein Uhr nachts)
und bei Gabi und mir zu plaudern, Karten zu spielen oder sonstwas zu machen.
Das dauert bis etwa halb Vier.
- 17.2.96: Heute - Samstag - bin ich noch immer nicht besonders
motiviert, verschiedene Dinge zu erledigen. Die Drohung bezüglich der
Sicherung scheint gewisse Sachverhalte bezüglich der Musiklautstärke
in Chris' Kopf festgehalten zu haben, jedenfalls gibt er sich wenigstens
ein wenig Mühe, seine Tür zuzuhalten.
Am Nachmittag fahre ich in ein Computerlab, um an ein paar Hausaufgaben
für die Betriebssystemvorlesung zu programmieren (ein Sortierprogramm
aus parallel laufenden Prozessen). Als mir das zu langweilig wird,
schreibe ich die Weihnachtslicher-Seite fertig.
Für den Abend ist die Peaceworks-Party angesagt. Ich backe einen
Zwiebelkuchen und gehe zu Tom's Haus. Er ist einer der Peaceworks-Aktivisten und
hat zur Party eingeladen.
Leider kommen überwiegend MitarbeiterInnen von Peaceworks, aber von der
Campus Peaceworks- Gruppe schauen nur drei Leute vorbei. Trotzdem wird der
Zwiebelkuchen gegessen, es gibt Bier, Salate und Kekse und alles in allem
wird es ein lustiger Abend unter lauter angeheiterten Aktivisten. Marc, der
'Boß' des Peace Nook am Broadway, kommt auch vorbei und gibt ein paar
Geschichten zum Besten. Er ist der älteste Mitarbeiter in Columbia,
langhaarig und ungefähr, was man sich unter einem echten Hippie vorstellt.
Gegen ein Uhr bin ich wieder zu Hause und im Bett.
- 18.2.96: Sonntag. Ich schlafe lange aus, und dann treffen
Gabi und ich Sebastian auf eine Tasse Kaffee im Music Cafe
- er hat heute nämlich Geburtstag.
Um vier Uhr bin ich mit Eric Adams im Multimedia-Lab der Photojournalisten
verabredet. Wir wollen endlich die Interviewkassetten vom 8.Februar
durchhören und geeignete Stellen in unseren Multimedia-Beitrag
'24 hours in Cyberspace'
aufnehmen. Leider findet gerade auch der Wettbewerb
'College Photographer of
the Year POY' statt, und das Team beraubt uns nacheinander des Mischpults,
der Lautsprecher und einiger nicht unwichtiger Kabel. Letztendlich bleibt
uns Eric's Walkman und ein improvisiertes Kabel sowie ein Kopfhörer.
Gegen zehn Uhr abends bin ich mit den Tonaufnahmen fertig und treffe Eric
wieder. Wir fahren zu ihm Chili essen, und wollten danach ursprünglich
wieder in ein Computerlab, um Dias zu scannen. Wir sind dafür dann aber
doch zu müde, unterhalten uns noch eine Weile und ich fahre dann nach Hause.
- 19.2.96: Montag morgen, und die Ereignisse überschlagen
sich mal wieder. Nach der Vorlesung telefoniere ich
wegen des Konzerts für die Navajos in Arizona mit verschiedenen Stellen der
Uni, bis ich schließlich ein Auditorium in Memorial Union dafür bekomme.
Ein Musikant namens Jim Scott wird singen, und diverse Organisationen werden zu
Spenden für die Navajos aufrufen. Im 'Big Mountain' Indianerreservat gibt es
erhebliche Schwierigkeiten zwischen den Hopis und den Navajos, und zu allem Übel
gibt es auch noch Uranerz, so daß eine gewisse Lobby seitens der Industrie
versucht, die Indianer zu vergraulen. Es gibt zwei Texte online, die ein wenig den
Hintergrund beleuchten (die sind aber auf Englisch):
- NativeNet: Navajo-Hopi "land
dispute" articles from NATIVE-L
- BIG MOUNTAIN
UPDATE: December 1995
Danach schreibe ich einen Brief an den ManEater,
in dme ich meine Gedanken über das neue Parkhaus zum Besten gebe und vorschlage,
für die
zwölf Millionen Dollar lieber Busse zu kaufen.
Schließlich ist auch noch die Kennung für den Kletterclub auf dem
Web-Server der Studentenschaft eingerichtet,
und so
kopiere ich die längst gebastelte Homepage
für den Kletterclub an ihren Bestimmungsort. So langsam geht mir diese
Datenschieberei auf
Rechnern mit limitiertem Plattenplatz ziemlich auf die Nerven, und ich freunde mich mit dem
Gedanken
an, ein externes magnetooptisches SCSI-Lauferk (etwa wie Eric;s ZIP Drive) anzuschaffen.
Zwischendurch schreibe ich an dem parallelen Sortierprogramm für die
Betriebssystemevorlesung, und am
Abend
findet im Music Cafe das wöchentliche Treffen von Campus Peaceworks statt.
Ich habe Kopfweh, und wir planen den Infostand in Brady Commons,
der am 29. Februar stattfinden soll. Sean unterschreibt den Antrag für
die
Homepage auf dem Studentenschafts-Web-
Server und
somit bekomme ich nächste Woche noch eine Homepage.
Den Rest des Abends programmiere ich am Sortierprogramm, und das war's.
- 20.2.96: Heute tue ich nicht besonders viel neben den
Vorlesungen und Programmieren für den morgigen Abgabetermin der
Betriebssystemhausaufgaben. Ich treffe Gabi auf eine Tasse Kaffe im Music
Cafe, und abends schaue ich zum Stammtisch bei Shakespeare's vorbei.
Das Klettertraining fällt mal wieder aus, ich gehe aber zur
Kletterwand,
um mit Fred Dinge zu besprechen, die bezüglich der
Homepage des Kletterclubs
zu erledigen sind. Bei der Gelegenheit bestelle ich ein T-Shirt sowie ein paar
Teile Kletterausrüstung (Gurt, Karabiner, eine Acht). Schließlich
gibt es erheblich Rabatt für MitgliederInnen.
- 21.2.96: Vorlesungen. Um 9:40 treffe ich mich mit Leuten des
Marketing-Kampagnen-Seminars, um unseren 'Creative Workplan' zu lokalisieren. Dem Dozenten
hatte er nämlich nicht genügend Lokalkolorit, und so schreiben wir eben an
jeder Stelle, wo von 'Studenten' die Rede ist, einfach 'Studenten der Universität
von Missouri-Columbia' hin.
Danach radele ich ind Music Cafe, um bei Tee und Musik meine Betriebssystem-Aufgaben
fertig zu programmieren, aber da steht ein Hindernis im Weg: seit heute muß
man bezahlen, um die Computer zu nutzen. Ich beschließe, Mitglied für einen
Monat zu werden (was dreißig Dollar kostet, während eine Stunde
für Nichtmitglieder mit fünf Dollar zu Buche schlägt) und der glückliche
Besitzer freut sich über das erste Zahlende Mitglied - nicht ahnend, daß er
damit auch jemanden hat, der genau weiß, wann der Computer wegen Unfähigkeit des
Systemverwalters nicht funktioniert (und nicht davor zurückschreckt, die Fehler
zur Not auch ohne Systemverwalter zu korregieren).
Sebastian schaut ins Cafe, geade, als ich auf dem Weg in die Military Science- Vorlesung
bin (wo heute die Grundlagen des Exerzierens gelehrt werden). Danach treffe
ich Sarah Samson, und später kehre ich an die Computer zurück, bis ich
schließlich kurz vor Mitternacht (der Deadline) mein Programm per E-Mail
abgebe.
- 22.2.96: In der Marketing-Kampagnen-Vorlesungen werden heute
morgen die Bögen für unsere Umfrage bezüglich des University Bookstores
ausgeteilt. Die Uni hat sich Zeit gelassen mit der Genehmigung der Umfrage, und wir
sollen pro Person zwanzig Leute anrufen (Nummern von Studierenden werden gleich
mit ausgeteilt) und bis zum kommenden Dienstag - über's Wochenende - die ganze
Sache erledigen. Telefonumfragen mag ich nicht, weder als Angerufener, noch als
Anrufer, und selbst positive Einstellung dem gegenüber vorausgesetzt halte ich
das bei einem Zeitaufwand von zehn Minuten pro Umfrage für zu knapp.
Der Nachmittag vergeht mit Entspannen - schließlich hatte ich genug zu
tun die letzten Tage - und am Abend treffe ich Eric Adams und wir begeben uns
ein das Gebäude der 'MU Agricultural Extention', wo Eric im Fotolabor
arbeitet und ich mich über den Filmscanner hermache und einige Fotos
des '24 Hours in Cyberspace'-
Projekts einscanne, danach die Fotos, die ich von der 'Vertical
Extravaganza'
gemachte habe, auf der Kletter-Homepage
unterbringe und schließlich noch ein paar von den Dias der Weihnachtsferien einscanne
(nicht, daß
der Bericht bisher besonders gediehen wäre, aber man weiß ja nie, wann mich die
Schreibwut packt...).
Die Scannerei dauert bis um drei Uhr morgens.
- 23.2.96: Mit wenig Schlaf gehe ich in die Betriebssysteme-
Vorlesung. Danach erledige ich ein paar Anrufe für die Telefonumfrage
über den University Bookstore, erledige ein paar Sachen, bezahle meine
Rechnung für die Extrastudiengebühren der School of Journalism und
radele gehen Mittag nach Hause, um mir die Reste des Kartoffelauflaufs mit
etwas Salat zu Mittag zu machen.
Gabi kommt gerade rechtzeitig zum Essen heim. Wir beschließen, einen
Apfelkuchen zu backen (den wir dann auch fast halb aufessen), und so vergeht
der Nachmittag zu Hause. Im 'Flat Branch' trifft sich die
'European Students
Association' zur Happy Hour, und Gabi und ich fahren hin. Wir treffen auf
Joelle, Peter, Hillary, Etienne und ein paar andere, und die Kneipe ist
gerammelt voll. Als wir endlich einen Tisch bekommen, legt sich Joelle mit
den Bedienungen und dann den Besitzern an, die die etwas störende
Vorschrift haben, daß Gruppen mit mehr als sieben Personen in der
Happy Hour mit einem Scheck bezahlen müssen, ansonten kostet es siebzehn
Prozent mehr. Das Managent hat kein Einsehen, und so wird das Treffen der
nächsten Woche im 'Heidelberg' stattfinden.
Das Treffen endet gegen sieben Uhr, und ich radele nach Hause, meine Kamera und
das Stativ holen, um ein paar Fotos von
Jesse Hall zu machen. Das ansonsten
hell weiß angestrahlte Gebäude leuchtet heute ganz grün,
und niemand, den ich dazu befrage, kennt den Grund. Aber ich werd' ihn schon
noch herausfinden.
Später, gegen neun Uhr - ich verlasse das Music Cafe - gehe ich nach
Hause, um Gabi zu treffen. Wir wollten ursprünglich ins 'Blue Note'
ein Konzert besuchen gehen, aber irgendwie sind wir zu faul. Später
spazieren wir durch Columbia, trinken ein Bier und essen bei Panchero's
ein paar Nachos (das sind mexikanische Maischips mit scharfer Soße)
und gehen heim.
- 24.2.96: Endlich wieder Samstag. Ich nutze den Vormittag zum
Ausschlafen und Einkaufen, und am Nachmittag lese ich in meinen Lehrbüchern und
vertreibe mir die Zeit mit meiner Telefonumfrage. Das Wetter ist sonnig und warm,
und entsprechenden Erfolg habe ich bei der Umfrage: drei Antworten am Nachmittag.
Sebastian ruft an und erzählt von einer irischen Band, die im Shattered heute
Abend spielen soll. Das klingt nicht übel, und so treffe ich mich mit Gabi gegen
sieben Uhr zu Hause, wir kochen etwas und fahren dann mit den Fahrrädern zum
Shattered. Das ist eine Diskothek im Keller eines Gebäudes an der Ecke 9th Street und
Cherry Street (gegenüber dem 'Cat Lovers Shop'). Wir zahlen acht Dollar Eintritt,
und dafür werden wir in einen schwarz angestrichenen Keller mit Polstermöbeln und
einer
kleinen Bühne nebst Bar eingelassen. Die Band ist noch am Aufbauen, und so kaufe ich mir
erst mal ein Bier, und wir plaudern. Brian (der fast-Ire) und sein neustes Date, eine
Studentin mittelalterlicher keltischer Geschichte, tauchen auch auf. Die Band hat erhebliche
Schwierigkeiten mit der Technik, und schließlich werden die Musiker wie das Publikum
ungeduldig und man beschließt, ohne Mikrophon und Lautsprecher zu spielen. Das ist mir
ohnehin lieber, dann muß ich mir nicht die Ohrstöpsel 'reindrücken. Und
außerdem sind zumindest das Akkordeon und der Dudelsack für den Kellerraum
wirklich laut genug.
Gegen Mitternacht verlassen Gabi und ich den Platz, weil wir recht müde sind. Sebastian
bleibt noch und bemüht sich um die Frau, die neben ihm saß.
- 25.2.96: Sonntag. Es ist ziemlich warm draußen, irgendwo
zwischen
fünfzehn und zwanzig Grad (Celsius, nicht Fahrenheit!). Gabi fährt an die Uni, um
ein
Paper zu schreiben, und ich versuche es mal wieder mit der Telefonumfrage. Dazwischen lese ich
in meinem Buch 'C++ Database Development', welches ich für die Datenbankenvorlesung
lesen
muß. Schließlich schaue ich im Music Cafe vorbei, um dort bei einer Tasse Tee
die Homepage des Kletterclubs
um die Fotos der Vertical
Extravaganza
zu bereichern. Leider hat Jeff, der Betreiber der Rechner im Music Cafe, immer noch nicht die
notwendigen
Korrekturen an den Rechnern vorgenommen (das heißt, eine stabile Version von
Netscape einspielen,
einen brauchbaren Telnet installieren und Windows
durch Linux ersetzen)
und die Maschine stürzt mit Freude alle zwanzig Minuten ab.
Am Abend schaut Sarah
Samson
vorbei, und wir machen ein Lagerfeuer im Hof, trinken Tee und erzählen. Gabi hat gegen
elf Uhr genug vom Lernen und kommt zurück, und wir sitzen zu dritt bis fast ein Uhr im
Hof ums Feuer.
- 26.2.96: Schwüle Hitze am Morgen weckt Erinnerungen an
die Ankunft in
Missouri im vergangenen August. Bis ich zur Vorlesung an der Uni
ankomme, bin ich naß geschwitzt. Kaum zu glauben, daß es
vor einigen Wochen noch so bitter kalt war. Nach etwas Computerei
radele ich nach Hause, esse Nudelsalat zum Mittagessen, ziehe mir kurze, leichte
Kleidung an und fahre ins Music Cafe, wo ich das C++ - Datenbankenbuch lese, ein paar
E-Mails schreibe, für die ich bisher keine Zeit hatte und das Tagebuch ausformuliere.
Letzteres war ein wenig zu kurz gekommen in den letzten Wochen.
Um sieben Uhr ist Campus Peaceworks-Treffen, und diesmal schaut fast niemand vorbei,
obwohl wir zwei Sachen diese Woche laufen haben: das Benefizkonzert am
Mittwoch und den Infotisch am Donnerstag.
Dafür
sind wir mit dem Treffen auch schnell fertig, und danach radele ich nach Hause,
Datenbanken-Konzepte erstellen, Telefonumfragen machen und schließlich einen
Kirschkuchen backen (nein, es gibt hier im Februar keine frischen Kirschen, aber welche
in Dosen bei Aldi). Draußen prallt die schwül-warme Luft gerade
auf den von Norden herannahenden Winter, und ein entsprechender Wolkenbruch
mit Gewitter bringt schließlich das kalte Wetter zurück.
- 27.2.96: Dienstag. Vorlesungen. Der Dozent der Marketing-Klasse
ist
mit dem Ergebis der Telefon-Umfrage recht unzufrieden und trägt uns auf, den Rest der
Bögen bis Donnerstag zu erledigen.
Abends um halb sieben ist die erste Vorbesprechung für den 'Spring Break'- Ferientrip.
Gabi und ich haben uns zu einer archaeologischen Expedition nach New Mexico angemeldet.
Ich gehe alleine hin, weil Gabi noch eine Nachhilfestunde in Deutsch gibt und lerne einige
der anderen Teilnehmenden kennen. Tom ist der Organisator und Verantwortliche für diesen
von Wilderness Adventures organisierten
Urlaub, und er präsentiert uns seine Vorstellungen über die knapp zehn Tage
Frühlingsferien. Es soll in das 'Bandelier National Monument gehen (folgende drei
Verweise führen zu etwas Hintergrundinformation:
1,
2,
3)
und dort werden wir unter Führung einer Archaeologin des Anthropologischen Museums
der Universität von Missouri-Columbia per
Rucksack Ruinen alter Indianerkulturen erkunden. Neben Diskussion über
'Minimal Impact Camping' und empfohlener Ausrüstung schauen wir uns noch ein
Video über die Indianerkulturen New Mexicos an, welches mir Sarah ausgeliehen hat.
Sie ist auch da, weiß aber nicht so recht, ob der Trip etwas für sie ist.
Ich plaudere mir ihr noch eine Weile, und danach erledige ich noch Computerzeugs
bis morgens um fünf Uhr.
- 28.2.96: Die morgendliche Betriebssystemvorlesung fällt
für mich erst einmal aus, zwecks Schlafgewinn. Als ich später dann aufstehen
will, muß ich feststellen, daß Gabi versehentlich die Zimmertür von
Außen abgeschlossen hat (sonst gehe ich immer zuerst und sie schließt) ab.
Das nervige an den Schlößern ist, daß man sie von Innen nicht
aufschließen kann. Und obwohl sie reichlich billig waren (runde drei Dollar),
macht die Tür lange vor dem Schloß bedenkliche Geräusche, als ich
versuche, sie per Klappspaten aufzubrechen. Da meine Fenster auch noch runde
sechs Meter überm Hof sind, muß ich wohl auf die Rückkehr
irgend eines Mitbewohners warten.
Irgendwann nach drei Uhr kommt Chris nach Hause, und als er das Schloß
abgeschraubt hat (weil es doch etwas verbogen war), komme ich endlich aus
meinem Zimmer raus. Dafür habe ich die 'Military Science'- Vorlesung
verpaßt, und muß morgen zur Parallelveranstaltung auftauchen, weil da
Anwesentheitspflicht herrscht.
Nach einem späten Mittagessen schaue ich im Music Cafe vorbei, und dort
ist Jeff gerade dabei, ein neues Modem zu installieren (welches den Internetzugriff
doppelt so schnell machen würde). Es handelt sich um ein internes Modem, und
es stellt sich recht schnell heraus, daß er von Tuten und Blasen keine
Ahnung hat. Er hat nämlich das Modem nicht konfiguriert (weder die
Portadresse noch den Interruptlevel), und wundert sich seit Stunden, warum
Windows NT den Port nicht findet. Genug technisches Geschwätz, nachdem wir
das Modem konfiguriert haben, drückt er leichtsinnigerweise einen
Menüknopf namens 'Load old configuration', wohl in der Annahme, dies
würde seine letzte, funktionierende Konfiguration des NT-Servers wiederherstellen.
In der Tat stellte es die Situation nach der Installation des Betriebssystems wieder
her - ohne jegliche Netzwerkkonfiguration. Das gibt Jeff nun wirklich den Rest,
und er gibt den Versuch, die Computer zum Laufen zu bekommen, für heute auf.
Um 19:30 - ich habe mich inzwischen im Jesse Wrench Auditorium eingefunden - beginnt
Jim Scott für Campus Peaceworks, die Missouri Native Indian Support Group und
nicht zuletzt für die Indianer im 'Big Mountain'-Reservat zu spielen. Jim Scott
ist ein knapp zwei Meter größer, rot-blonder Hühne, und seine Musik
(Gesang und Gitarre) erinnert stark an Reinhard May: Protestsongs, Lieder über die
Natur und Menschen. Es gefällt mir recht gut, und der Mann hat Humor in der Art,
wie er sich präsentiert. Das Auditorium ist nicht brechend voll, aber etwa
fünfzig ZuhörerInnen haben wir zusammenbekommen. Einige Kleider- und
Lebensmittelspenden für die Indianer und ein nicht geringer Geldbetrag resultieren
aus dem Abend, und die Aktivisten an den Infotischen sind zufrieden. Ich mache einige Fotos,
und es ist nicht unwarscheinlich, daß sie in Bälde auf der
Homepage von Campus Peaceworks
auftauchen werden.
Nach dem Konzert kaufe ich mir eine Kassette von Jim Scott, und dann radele ich nach Hause.
Gabi kommt wenige Minuten nach mir aus der Bibliothek nach Hause, und wir kochen einen
Reis-Weizen-Salat ud essen zu Abend.
- 29.2.96: "Leap Day" - Schalttag. Haufenweise Arbeit wartet in der
Marketing-Kampagnen-Vorlesung auf das Apple Creative Team. Wir sollen Flugblätter,
Poster, Banner und eine Webseite für drei Zielgruppenpräsentationen im
April erstellen. Unsere Kontaktleute bei Apple haben und immer noch keine Logos
geliefert, also müssen wir ohne auskommen.
Nachmittags hole ich die Military Science Vorlesung nach, und danach arbeite ich nach
einem kurzen Treffen mit Gabi noch an diversen Web-Dokumenten.
Auf dem Weg nach Hause schaue ich im Music Cafe vorbei, wo Jeff noch immer
verzweifelt mit Windows NT käpft. Ich lese ein wenig durch mein Datenbankbuch,
plaudere mit ein paar Bekannten, und schließlich fängt um acht Uhr
die Band 'Sweet Grenadine' an zu spielen. Sie machen Bluegrass-Musik, und es ist
eigentlich gaz nett. Sie spielen bis halb Zehn, und danach fahre ich nach Hause.
Gabi läßt nicht lange auf sich warten, und zum ABendessen gibt es
Nachos mit Käse-Salsa und Reis-Weizen-Salat. Morgen ist 1.März, ud
Adam ist noch immer in Urlaub. Wir fragen uns, wer wohl die Miete kassiert,
und Chris meint, er hätte das bezahlt und wir sollten ihm Schecks schreiben.
A popos Scheck: heute habe ich ein ZIP-Drive bestellt. Das ist ein magneto-optisches
Diskettenlaufwerk mit hoher Speicherkapazität, zum Sammeln großer Datenmengen
wie gescannter Fotos, Layouts oder einfach nur für Backups. Es kommt per Flugzeug gegen
drei Dollar Aufpreis. Warscheinlich schon morgen, obwohl ich es erst um 20:30 am Abend
bestellt habe.
Weiter zum März.
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Lothar Fritsch, fritsch@fsinfo.cs.uni-sb.de, PGP-Public-
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