Abenteuer Amerika - zwei Semester in Missouri
29.Februar 1996
Abenteuer Amerika
Zwei Semester in Missouri
Tagebuch - chronologisch geordnet
Januar 1996
Wir leben noch. Zurückgekehrt am Sonntag, dann war Montag erst mal Feiertag.
Der Bericht über den Urlaub folgt, sobald er fertiggeschrieben ist.
Außerdem brauchen die Fotos ca. 10 Tage, und dann muß ich sie noch
scannen und bearbeiten. Aber ein paar davon sind
schon zu sehen.
- 15.1.96: Gabi hat Geburtstag und außerdem ist
'Martin Luther King Jr.' - Feiertag. Wir stehen spät auf, gehen Kaffe
trinken und Kuchen essen, die Ferienbilder zum Entwickeln abgeben, im Peace
Nook einkaufen und zu Hause kochen und Spiele spielen. Chris und Christie
kommen aus dem Urlaub zurueck, und damit der höhere Geräuschpegel.
Die kleine Katze besucht uns, die Eltern rufen an (und mein Vater meint:
dank der Telefongebührenreform der Telekom, die Ortsgespräche
um 50% verteuert und Ferngespräche verbilligt, wäre das Amerika-
Gespräch nicht wesentlich teurer als ein Anruf im Schwarzwald).
Und das war der Tag.
- 16.1.96: Heute erledige ich Papierkram an der Uni,
versuche, die Consent-Cards für die Kursregistrierung zu bekommen,
plaudere mit Gordon vom International Center, radele Einkaufen, telefoniere
erfolglos in der Gegend herum, um mit diversen Dozenten zu sprechen, in deren
Kurse ich will und lande schließlich am Computer, um ein paar Emails
und Tagebucheinträge zu schreiben.
- 17.1.96: Frühes Aufstehen, Umherziehen zum
Erlangen der benötigten Consent-Cards
und Herausfinden, welches Formular denn genau benötigt wird, sind die
Beschäftigungen des Vormittags und frühen Nachmittags.
Später schreibe ich am Computer am Reisebericht für unsere
Reise durch den Südwesten der USA. Im Computerlab im General Classroom
Building hat sich einiges getan: die vielen Next-Computer sind verschwunden
und wurden durch SGI-Indy-Workstations ersetzt. Schade und gut zugleich: die
Next's hatten eine ästhetischere Benutzeroberfläche, die SGI's sind
Unix-kompatibel, so daß ich alle Software installieren kann, die man
so braucht.
Um halb acht am Abend treffe ich mich mit Gabi im 'Music Cafe', wo gerade
die Computer für den geplanten 'Internet Access' hereingetragen werden.
Gabi und ich gehen zu Sebastian, wo wir zum Abendessen eingeladen sind. Eine
Studentin namens Sia ist auch da und kocht eine Rahm-Käsesoße mit
Schinken und Erbsen.
Wir essen, trinken und plaudern, bis Gabi und ich zu müde sind, und
außerdem muß ich morgen um sieben Uhr aufstehen, um mir das erste
Treffen des Kunstfotografiekurses anzuschauen.
Draußen regnet es in Strömen, und wir haben natürlich keine
Regenmäntel dabei. Denn am Vormittag war das Wetter noch klar und
außergewöhnlich warm
(T-Shirt-Wetter eben). Im Radio haben sie für heute Nacht Schnee und für morgen
Temperaturen bis minus zwanzig Grad (Celsius in diesem Fall)
angekündigt. Es lebe das kontinentale Klima.
Gabi hat heute ihre Urlaubsfotos bekommen und sie in ein Album geklebt.
- 18.1.96: Es ist sieben Uhr. Die Nacht über ist die Temperatur
unter den Gefrierpunkt gefallen. Es regnet - beziehungsweise es fallen kleine Eisperlen vom
Himmel, die den Boden bereits zwei Zentimeter hoch bedecken. Autos scheinen sich draußen
kaum zu bewegen.
Um zwanzig vor acht
beginnt der erste Kurs, für den ich mich interessiere: Kunstfotografie. Der Kurs ist offiziell
voll, aber eine Override-Premission sollte eigentlich zu
haben sein.
Doch nach den ersten 15 Minuten ist klar: der Kurs besteht schwerpunktmäßig nicht
aus
Gestaltung und Aufnahmetechnik, sondern aus Kennenlernen der Kamera und Anfertigen der
Schwarzweißabzüge - mit einem Volumen von circa 13 Wochenstunden. Das ist
sowohl
zuviel als auch etwas anderes, als ich erwartet habe, und somit verlasse ich den Kurs.
Nach einem Blick ins Vorlesungsverzeichniss finde ich einen Kurs 'Advertising and Marketing
Campaigning' an der School of Journalism, der heute morgen um 8:40 stattfindet. Ich gehe hin,
und der Kurs wird sehr praktisch eine Werbekampagne für den University Bookstore und
den
Computerladen auf dem Campus gestalten, die im nächsten Semester eingesetzt wird. Das
klingt
so, als könne man da noch was für's Leben lernen, und der Dozent hat auch nichts
dagegen,
daß jemand mit Internetkenntnissen am Kurs mitmacht. Alleine die Consent-Card muß
ich
noch besorgen, aber die zuständige Sekretärin scheint wegen des Eisschnees heute
nicht
erschienen zu sein. So gehe ich in den Missouri Bookstore am Lowry Mall und kaufe meine
Bücher, soweit sie vorhanden sind. Bis auf das Buch zur Datenbankvorlesung ist Alles
da.
Zwanzig vor Zwöf beginnt der nächste Kurs: Electronic Photojournalism. Hier
werden
diverse Multimediapakete besprochen, Projekte angefertigt, über die Änderung der
Echtheit
von Bildern im Computerzeitalter diskutiert und Bildmanipulationssoftware im Detail besprochen
und
benutzt. Die Consent-Card hierfür habe ich mir
heute morgen
bereits abgeholt, nachdem ich auf einer Warteliste stand und weit genug vorgerückt
war.
Direkt danach ist die erste Vorlsung 'Database Managment Systems II'. Der Dozent hat
gewechselt,
und nun hält ein gewisser Prof. Springsteel die Vorlesung, der zum Einen dadurch
beeindruckt,
daß er mindestens ein Jahrzehnt alte Overheadfolien benutzt und ständig im Bild
'rumsteht, zum Anderen diejenigen Studierenden, die schon eine Weile hier sind, ob seines
Auftauchens Gesichter machen, die nichts Gutes verheißen.
Um halb drei treffe ich Gabi und Mike in Brady Commons, und den Rest des Nachmittags
verbringe ich
am Computer zum Schreiben einiger Briefe und Berichte.
Abends bin ich zu Hause, lese mein Buch 'Who owns information?' fertig, koche Tee und tue
sonst
nicht viel. Der Heimweg war eine Tortur: ich habe heute morgen meine Handschuhe im Haus
gelassen,
weil es nicht so kalt war, das hat sich allerdings im Lauf des Tages geändert: laut Radio
ist es mit Windchill irgendwo bei minus vierzig Grad - es stürmt nämlich. Geschneit
hat
es auch, und glücklicherweise hatte ich meinen Regenponcho dabei, so daß meine
Finger die einzigenden erfrierenden Teile waren. Weite Teile des Heimwegs mußte ich das
Fahrrad schieben, damit die Hände nur schmerzen, aber nicht taub werden.
- 19.1.96: Gegen 5:30 werde ich wach und fühle Kälte
unter
meiner Decke hochkriechen. Die Wände sind eisig, und die Heizung bläst eigentlich
nur kalte
Luft ins Zimmer. Auf dem Weg die Treppe 'runter wird es frostig, und der Grund ist, daß
die
Haustür aufsteht bei den circa minus 20 Grad (Celsius) draußen. Irgend jemand
muß
kurz nach Mitternacht bei Verlassen des Hauses die Tür nicht richtig geschlossen haben und
der
Wind hat sie aufgedrückt. Meine nackten Füße schmerzen auf dem kalten
Boden, das
gesamte Erdgeschoß ist auf Minusgrade abgekühlt. Ich mache die Tür zu, stelle
die
Heizung auf Volldampf (die, weil sie erst mal die kalte Luft ansaugt, eine Weile brauchen wird,
um das Haus aufzuheizen) und verkrieche mich im Schlafsack.
8:40 ist 'Operating Systems II'. Ich kann mich nicht so recht aus
dem warmen Bett herauswinden und komme cira zehn Minuten zu spät. Der Dozent - Prof.
Gordon Springer - macht einen ungewöhnlichen Eindruck, indem er uns erzählt,
daß
er immer noch lieber mit ASCII-Terminials arbeitet als mit Windows '95 mit drei
Systemabstürzen
pro Stunde. Dann nimmt er noch ein wenig die modernen Fensteroberflächen auseinander,
kommt
zu den Schwächen von Windows zurück und bedauert, daß kam jemand die
wirklichen
Interna der Betriebssysteme kenne und sich seit den 60ern in Sachen Multitasking und
Ressourcenverwaltung
bei Betriebssystemen nichts mehr getan hä'tte und die Neuerfindung des Rades bei der
Entwicklung
des PC auch nur Marketing wäre. Nach der Vorlesung willigt er ein, daß ich seinen
Kurs besuche, und Deutsch sprechen kann er auch. Nicht daß nicht mein letzter Dozent in
Sachen
Betriebssysteme nicht auch seine Meinung über
Windows'95 laut
und Deutlich kundgetan hätte.
Einige Wirrungen mit der Registrierung später bin ich immerhin bereits in drei der vier
Kurse eingeschrieben. Fehlt noch der Marketing-Kurs.
Nachmittags arbeite ich am Rechner, und gegen 18 Uhr bin ich zu Hause, weil Sebastian sich
angekündigt hatte, weil er heute morgen keine Zeit hatte. Gabi hat eine Lasagne gebacken,
und nach einer Stunde wird klar: Sebastian ist immer noch beschäftigt.
Gabi und ich kochen Tee, knabbern Kekse und spielen mit Adam, Lesa und Mike Risiko bis etwa
ein Uhr nachts.
- 20.1.96: Samstag. Lange Schlafen, gemütlich
Frühstücken,
Einkaufen von Tee und Gewürzen im Boradway-Bioladen und Lesen sind die
Hauptbeschäftigungen
des Morgens und des Nachmittags. Ich bastele mit einen hölzernen Ständer für
Räucherstäbchen und einen Handtuchhalter für die Küche, und Gabi
näht einen
Draht um den Baumwollhaffeefilter, auf daß er auch nicht in den Filtertrichter rutscht.
Abends treffen wir Debbie im Music Cafe, fahren per Taxi zum Mall (kostete $4.70) und sehen
uns
Terry Gilliam's '12 Monkeys'
an - ein Spitzenfilm über Wissenschaftler, Zeitreise und den
Versuch, die Vergangenheit zu korregieren. Der Film basiert in etwa auf dem selben Szenario wie
'Terminator', nur ist ein Virus freigesetzt worden, der die Menschheit auslöscht, und
niemand
weiß, warum. 'Freiwillige' Strafgefangene müssen in der Vergangenheit herumreisen,
um
herauszufinden, was passiert ist, um es eventuell zu verhindern. Im Gegensatz zu Arnold
Schwarzenegger
verschleißt das Zeitreisen die Reisenden ziemlich und bringt sie an den Rand des Wahnsinns.
Alles in allem ein typischer Gilliam-Film. Sehenswert.
Auf dem Rückweg nimmt uns eine Mitbewohnerin von Debbie mit nach Downtown
Columbia, von wo Gabi und
ich nach Hause radeln, Tee trinken, spielen und schlafengehen.
- 21.1.96: Sonntag. Wir verbummeln den Tag, Gabi geht
Kleider waschen, ich Radfahren und mit den Computern in den Labs spielen.
Dazu machen wir ein paar Kochexperimente: Hummos und türkische
Süßspeisen.
Der Schnee ist am Schmelzen, da die Sonne scheint. Das Radfahren wird nun besonders
angenehm, vor allem Dank der Tatsache daß sowohl die Stadt als auch die
Universit^auml;t einen feinen, schwarzen Staub auf den Schnee gekippt haben, um
die Rutschgefahr zu reduzieren. Vermutlich ist es die nicht ganz untoxische
Kraftwerksasche der beiden Kraftwerke. Jedenfalls spritzt sie jetzt durch die
Gegend, wenn man radelt, und hinterläßt eklige, schwarze Flecken auf
allen Kleidungsstücken und dem Rucksack. Ich ziehe meine Nylonsachen an,
die sind wenigstens abwaschbar.
- 22.1.96: 8:40 ist wieder Betriebssysteme-Vorlesung.
heute geht es um allgemeine Begriffe sowie die Anpassung von Software an
Hardwaregegebenheiten. Anschließend schreibe ich einen Leserbrief an
den 'Maneater', weil der University Bookstore neuerdings seinen Eingang von der
Campuspolizei bewachen läßt und Leuten mit Taschen oder Rücksäcken
den Eintritt verwehrt.
Später registriere ich meinen letzten noch fehlenden Kurs an der School of
Journalism, ein Seminar über Marketingkampagnen, welches die Werbekampagne
für die University Stores der Universität machen soll. Dummerweise hat er nur
zwei Credit-Hours, und somit ist meine Summe elf Stunden. Ich brauche aber
zwöf davon. Da ich keine Lust habe, mir noch einen drei-Stunden-Kurs
aufzuhalsen, bespreche ich mich mit Gordon im International Center und gehe auf
die Suche nach Kursen mit ein bis zwei Stunden. Am Ende sind Atemtherapie,
Bibliothekskenntnisse und 'Military and Society' bei Military Science übrig. Ich registriere
letztereb Kurs per Telefon, in der Hoffnung, vielleicht
etwas über das Verhätnis der Amerikaner zu ihrer Armee zu lernen.
Nachmittags radele ich bei Aldi vorbei. Die sind umgezogen, und glücklichweise an den I70
Business Loop, fast direkt an die achte Straße, jetzt recht
nah vom Haus in der 9th Street.
Nach einiger Herumtelefoniererei und Gefrage in Modegeschäften finde ich
einen Schneider. Die beiden in den Gelben Seiten aufgelisteten gibt es schon
lange nicht mehr, und derjenige, bei dem ich letztendlich aufkreuze, steht nicht
in den Telefonbüchern. Er heißt 'Pins and Needles' und ist in der
College Avenue, zwei Gebäude südlich von der Einmündung der
Paris Road. Dort gebe ich die Lederjacke aur Reperatur des Reißverschlusses
und den Poncho zum Flicken des Risses am Rücken ab.
Abends treffe ich ein paar Leute vom Kletterclub und wir besprechen die
Vorbereitung und Durchführung des Bouldering-Wettbewerbs an der Kletterwand
im Recreation Center, die wir am
11. Februar veranstalten.
Danach lande ich noch am Computer, und das war's.
- 23.1.96: Dienstag - heute trifft sich der Campaigning-Kurs
im University Bookstore, wo wir den 'Boss' von University Stores kennenlernen,
der uns den Bookstore und den Computerladen zeigt, für die wir die Kampagnen
entwerfen sollen.
Als ich später einen 'Maneater'
aufsammmele,
finde ich meinen Brief als Leserbrief abgedruckt - wenn auch leicht gekürzt
um zwei provokante Fragen zum Thema Polizei vorm Bookstore.
In 'Electronic Photojournalism' lernen wir Einloggen auf Netzwerken, Aufrufen
von E-Mail-Software und Ausloggen.
Danach geht's in die Datenbankvorlesung. Mein Lehrbuch dazu ist immer noch nicht
angekommen, aber der Dozent arbeitet ohnehin sehr routiniert mit seinen Folien.
Nachmittags bin ich zu Hause, lese Bücher, koche mit Gabi Spaghetti und
radele anschließend ins Recreation Center,
um mich mit anderen Leuten des Kletterclubs zum Training an der Kletterwand zu
treffen. Dabei vermisse ich meine Students-ID,
und finde sie schließlich am Helpdesk im Arts&Science Computer-Lab.
Die Kletterei macht Spaß; aber ich merke schon die 6 Wochen fehlendes
Training - die Arme sind sehr schnell ermüdet. Ich gehe noch ein bißchen
im Fitness-Raum Gewichte heben und Radfahren, dann radele ich nach Hause, trinke
Tee mit Gabi und dann machen wir uns fertig, zum ersten Deutschstammtisch um
neun Uhr bei Shakespeare's Pizza zu fahren. Vorher wollen wir noch bei Sebastian
vorbei, ihm sein Weihnachtsgeschenk - einen Spielzeugbagger aus San Diego - und
eine ausgeliehene Regenjacke vorbeizubringen.
Wir treffen Sebastian Hand in Hand mit Sarah am Broadway, auf dem Weg zum
Dinner. Wir überreichen ihm seine Sachen, woraufhin er Sarah erklären
muß, was es mit dem Bagger auf sich hat, und dann radeln wir zum Stammtisch.
Es ist wieder gut kalt, und ohne Mütze frieren einem die Ohren ordentlich.
Der Stammtisch ist gut besucht, einige neue Gesichter sind da, wir zeigen Gabi's
Urlaubsfotos herum, erste Party's kündigen sich an und so weiter.
Gegen elf Uhr nachts radeln wir nach Hause.
- 24.1.96: Morgens um 8:40 ist Operating Systems II - Vorlesung,
und
am Nachmittag mein erster Kurs in 'The Military and Society'. Er findet an der
Offiziersschule der Armee statt. Diese befindet sich direkt hinter dem Leichtatlethikfeld neben
dem Schwimmbad. Ein uniformierter Offizier erzählt uns, was im Kurs passieren
wird. Entgegen meiner Erwartungen wird hier nicht um politisch-soziologische
Beziehungen und Verwicklungen zwischen Militär und Gesellschaft diskutiert,
sondern es handelt sich mehr oder weniger um eine Werbe- und Einführungsveranstaltung
der
US-Armee, um sich selbst zu präsentieren und Studierende (gegen Zahlung
saftiger Stipendien) zur Offizierslaufbahn zu werben. Über militärische
Gewalt, Imperialismus und so weiter wird nicht geredet - es wird ein Überblick
über Hierarchien, Aufgaben und Karrieremöglichkeiten in der Armee
gegeben, ein wenig Waffenkunde mit anschließendem (freiwilligen)
Schließen und schließlich das Highlight des Kurses: Abseilen.
Trotz des etwas anderen Inhalts beschließe ich, im Kurs zu bleiben -
muß ich hier doch nur eine Stunde pro Woche ansitzen und einen Nachmittag
zum Abseilen gehen, um die zwölf Credit-Hours-Klausel zu erfüllen.
Das herausragende Ereignis des Tages ist das Zurückkommen meiner sechs
Diafilme vom Weihnachtsurlaub. Natürlich schaue ich sie mir in allen
Einzelheiten an.
- 25.1.96: Kurse wie immer. Im Campaigning-Kurs werden
die Teams eingeteilt - ich komme ins 'Creative'-Team, dessen Aufgabe es ist,
Designs auszuarbeiten, Grafiken zu erstellen, Layout zu machen und so weiter.
Unsere erste Aufgabe ist es, bis nächsten Dienstag
einen Namen und ein Logo für unsere kurseigene, imaginäre Werbefirma
zu kreieren.
Auf dem Heimweg leihe ich mir bei Academic
Support zum Preis von zehn Dollar einen Diaprojektor aus. Der Miete ist für
drei Tage, da das Büro allerdings am Wochenende geschlossen ist, habe ich
den Projektor bis Montag - für fünf Tage und ohne Aufpreis.
Das extragroße 140-Dia-Magazin steht vor Dreck - es lag wohl lange im
Regal. Daß der Staub auch noch unter der Abdeckplatte ist, bemerke ich erst,
als der Diaprojektor ihn mir auf die ersten drei Sätze Dias bläst.
Trotzdem sind die Bilder - vor allem die aus Arizona - recht gelungen.
Den Rest des Abends verbringe ich mit Lesen.
- 26.1.96: Freitag. Neben der Betriebssystemvorlesung am
Morgen radele ich zu Aldi und schaffe es, den rekordverdächtigen Einkauf
von Gemüse im Wert von dreißig Dollar in den Rucksack zu stopfen.
Auf dem Rückweg entdecke ich einen Bioladen, den wir vorher noch nicht
kannten. Der ist aber ziemlich teuer (ein Blumenkohl $4.90) und hat den
Schwerpunkt auf Gesundheit, nicht auf Lebensmittel.
Am frühen Nachmittag hole ich meine Jacken beim Schneider ab. Dabei mache
ich den Fehler, nur mit einem Fleece-Jäckchen loszuradeln, denn draußen
weht ein eisiger Wind - Anfang einer langen Käteperiode und einer saftigen
Erkältung, wie sich zeigen sollte.
Beim Schneider bezahlt ich knapp dreißig Dollar,
und dafür bekomme ich einen neuen Reißverschluß an der Lederjacke
und einen Flicken im Regenponcho. Bei dieser Gelegenheit wird mir ein subtiler
Unterschied zwischen den Staaten und Europa klar: der Reißverschluß
an der Lederjacke ist nun auf der anderen Seite - und ihn zuzumachen ist gar
nicht so einfach, wenn man es sein Leben lang anders herum gemacht hat.
Nächster Programmpunkt: Wäsche waschen. Ein Buch und ein Rucksack
voller schmutziger Klamotten gehen mit in den Waschsalon, und endlich kann ich
die Daunenjacke von der Asche reinigen, die als Streumittel benuztzt wurde.
Leider waschen sich die grau-braunen Flecken nicht heraus und sind weiterhin
deutlich zu sehen.
Am Abend schaut Sarah vorbei und wir kochen Kohl und Kartoffeln und unterhalten
uns.
- 27.1.96: Der heutige Tag ist schnell zusammengefaßt:
Designarbeit an Firmenlogos für den Advertising-Kurs im Computerlab,
Bücher lesen, Bier kaufen (dabei treffe ich Lena, die bei Osco's arbeitet)
und es mit Gabi, Sarah und
Sebastian später am Abend trinken. Das dauert bis halb drei.
- 28.1.96: Lesen, Computerkram, Erkältung auskurieren.
Irgendwie fühlt sich das linke Ohr komisch an - dank der Erkätung
ist die Eustach'sche Röhre zu und es kann den Druck nicht ausgleichen.
- 29.1.96: Die morgentliche Betriebssysteme-Vorlesungen
eröffnet den Tag. Am Nachmittag um drei Uhr ist Treffen des 'Creative'-Teams
des Campaigning-Kurses, wo wir unsere Logo-Vorschläge durchgehen und drei
der Entwürfe zur Präsentation vor dem Kurs aussuchen.
Danach radele ich nach Hause, wo ich mit Gabi den Kartoffelsalat für
Kelly's Party heute abend mache.
Um sieben Uhr ist Treffen der 'Campus Peaceworks'-Gruppe, eine Bewegung,
die sich für Umweltschutz, soziale Gerechtigkeit usw. einsetzt. Die
Gruppe stellt sich und ihre Aktivitäten vor.
Gabi holt mich um acht Uhr ab, und wir fahren zu Kelly, wo wir viele andere
Bekannte treffen. Ich bin nicht besonders fit, und werde dank Fieber so
müde, daß Gabi und ich bereits um elf Uhr gehen. Ich nehme noch ein
heißes Bad mit Kamille, und dann gehe ich schlafen.
- 30.1.96: In der Campaign-Vorlesung präsentieren
wir unsere Entwürfe, und da wir das Logo der Universität verwendet
haben, werden wir an den Zeichentisch zurückgeschickt, um weitere Ideen
auszubrüten.
Im Journalism-Kurs werden Interessenten zur Erstellung einer Fotostory für
'24 hours in Cyberspace' gesucht, und ich
melde mich dazu.
Nachmittags bin ich zu Hause, und Fred vom Kletterclub ruft an, weil er Fotos
von der Kletterwand braucht, um sie einer Veranstaltungszeitung zu geben.
Diese wird unseren Kletterwettbewerb 'Vertical Extravaganza' ankündigen.
Ich mache mit Fred ab, ihm morgen einige Dias zu geben. Das heutige Klettern
lasse ich ausfallen, wegen Fiber und Verschnupfstopfung. Sarah schaut vorbei
(sie ist jetzt von Marshall nach Columbia umgezogen) und geht nach dem
Abendessen mit mir und Gabi zu 'Shakespeare's' auf den Stammtisch.
Obwohl ich heute morgen Flugblätter hergestellt und verteilt habe, kommt
niemand. Könnte aber auch an dem eisigen WInd drau&azlig;en liegen.
Wir trinken und plaudern und fahren zwei Stunden später nach Hause.
- 31.1.96: Heute morgen fällt die Betriebssysteme-Vorlesung
für mich aus - wegen meiner Erkältung und der Außentemperaturen.
Fred treffe ich um halb zehn am Kaffeeschalter in Brady
Commons und übergebe ihm drei Dias als Bildmaterial zum
Kletterwettbewerb am 11. Februar.
Danach treffe ich Leute, die daran interessiert sind, mich einen Kurs zum
Thema 'Grafik im World Wide Web' halten zu lassen und wir sprechen über
Konditionen.
Nach dem Mittagessen besuche ich die zweite Vorlesung des Military Science
Kurses, und heute geht es überwiegend um Karriere und Einkommen als
studierte/r Offizier bei der US-Armee.
Abends treffe ich mich mit dem Creative-Team des Marketing-Kampagnen-Kurses,
wo wir neue Entwürfe für Logos durchsprechen.
Danach ist Schluß und ich gehe nach einer heißen Dusche schlafen.
Weiter zum Februar.
Zurück auf Lothars Homepage.
Lothar Fritsch, fritsch@fsinfo.cs.uni-sb.de, PGP-Public-
Key