31.März 1996
Abenteuer Amerika
Zwei Semester in Missouri
Tagebuch - chronologisch geordnet
März 1996
- 1.3.96: Freitag. Der Betriebssysten-Kurs fällt aus, aber der
Dozent hat uns ein
paar Seiten ausgedruckt, die wir abholen und lesen sollen. Danach treffe ich mich mit Tim vom
Marketing-Team, und wir überlegen Slogans für unsere Aufgabe, die Apple-
Werbeveranstaltungen
per Flugblatt und Poster anzukündigen.
Um halb Zehn treffe ich Vanaja zur Besprechung unseres Datenbank-Projekts. Danach fange ich
gleich an, am
Project Proposal zu schreiben, und gegen Mittag fahre ich nach Hause, um noch etwas Mittagessen
zu machen,
bevor Gabi und ich mit Sarah nach Jefferson City fahren.
Zu Hause hängt eine Notitz an der Tür: das ZIP-Drive wäre geliefert worden,
wenn jemand
zu Hause gewesen wäre. Ein Anruf beim Frachtunternehmen genügt: sie funken den
Fahrer an, und er
taucht runde zehn Minuten später auf und liefert das Paket ab! Das ist Service, und
für
schlappe drei Dollar Aufpreis gegenüber UPS-Versand.
Um halb Zwei fahren wir los nach Jefferson City, etwa dreißig Meilen südlich von
Columbia gelegen
und die Hauptstadt von Missouri. Jefferson City hat etwa ein Drittel der Bevölkerung von
Columbia.
Sarah will dort Interviews mit aktiven Mitgliedern des Peace Corps machen. Das Peace Corps ist
eine
Art Zivildienstorganisation, die Freiwillige mit abgeschlossener Berufsausbildung in
zweijährige
Hilfsprojekte in Entwicklungsländer oder Katastrophengebiete schickt, und Peace Corps
feiert
seinen 35. Geburtstag in Missouri, weshalb Sarah einen ManEater-
Artikel schrieben muß.
Jefferson City ist ein kleines Städchen, umgeben von Farmland und gelegen direkt am
Missouri. Hier ist auch der
nächste Bahnhof, falls man per Zug verreisen möchte.
Neben dem Kapitol, einen recht imposanten Kuppelgebäude mit protziger Einrichtung,
gemeißelten Parolen und heroischen Gemälden im Inneren (und den
Sitzungssäalen der
Parlamente) gibt es in Jefferson City nicht berauschend viel zu sehen. Freitag Nachmittags machen
die meisten Geschäfte um fünf Uhr zu, und das historische Museum am Bahnhof
macht schon
um vier Uhr zu.
Sarah macht ihre Interviews beim Peace-Corps-Geburtstagstreffen, und Gabi, Paul und ich
schlagen uns die Bäuche mit den Keksen am Buffet voll.
Auf dem Rückweg halten wir noch bei Taco Bell, nachdem wir im scheinbar einzigen
offenen Pub
der Stadt ein Bier getrunken haben.
Zu Hause bei mir und Gabi albern wir noch eine Weile rum, was in einer Kissen- und
Eiswürfelschlacht
gipfelt, die unseren lieben Mitbewohnenden gehörig auf die Nerven geht.
- 2.3.96: Waschen, ein Treffen mit Teilen der Marketing-Gruppe und
der
vergebliche Versuch, mein ZIP-Drive zu benutzen, sind die Highlights des heutigen Tages.
Die Probleme mit dem ZIP-Drive lassen sich allesamt auf eine Sicherheitssoftware namens
'Foolproof' (bin mit Fool etwa ICH gemeint????) zurückführen, die die Installation
des Treibers und den Zugriff auf das ZIP-Drive verhindert. Nach einiger Hackerei gelingt es
mir zwar, das Programm so zu korumpieren, daß ich ZIP-Disketten lesen und formatieren
kann (beliebige andere Systemfestplatten auch), aber ich kann immer noch nicht auf ZIP-Disks
schreiben. Die Studierenden, die die Computerlabs beaufsichtigen, haben allerdings keine Ahnung,
wie man etwas dagegen unternehmen könnte, und so bleibt mir - grummelnd - nur
übrig,
Montag die Lab-Manager heimzusuchen.
Abends backe ich eine Quiche Lorraine mit Gabi, und Sarah und Sebastian schauen 'rein. Nach
dem
Essen albern wir eine Weile rum und irritieren die Gäste von Chris' Barbequeue-Party
gehörig.
- 3.3.96: Spät aufstehen und ein Frühstück mit
Gabi beginnen den
Sonntag. Danach fahre ich zu Sebastian, der mich darum gebeten hat, mal nachzuschauen, ob sein
aus
Deutschland mitgebrachter Computer nicht irgendwie auf die hiesigen 120 Volt Spannung im
Stromnetz
umstellbar ist. Nach einer Weile Herumbastelns an dem Computer steht fest: man kann ihn nicht
umschalten.
Sebastian hat einen Spannungskonverter, und der schafft mit seinen 44 Watt es gerade so, den
Computer zum
Laufen zu bringen. Mangels Monitor überfallen wir einen von Sebastians Bekannten mit
dem Rechner, um
zu sehen, ob die Maschine korrekt startet, und sie tut's. Nun muß er also bloß noch
einen
Monitor kaufen gehen.
Danach treffe ich mich mit meinem Marketing-Kreativ-Team. Wir diskutieren über die
verschiedenen Ideen
und teilen die Arbeit auf, einzureichen Morgen zwecks Begutachtung durch den Dozenten.
Danach mache ich mich an die Arbeit, meine beiden Posted-Ideen umzusetzen, und scanne dazu ein
paar Bilder
alter Werkzeuge aus einem Buch, welches ich in der Bibliothek ausgeliehen habe. Die Idee ist
folgende:
wir werden ein paar alte Werkzeuge in Relation zu modernen Apple-Computern setzen, um bei
Studierendenden
Interesse an Apple-Computern zu wecken.
Im Stanley Lab treffe ich auf Gabi (und auf die bereits beschriebenen Probleme beim
Anschluß meines ZIP-Drives).
Der Lab Assistant ist wie immer alles andere als nützlich, und so führe ich meine
Poster-Idee nicht
als Endversion, sondern als groben Vorschlag aus, weil die dazu gehörige Grafik
schlichtweg nicht auf
eine einzelne Diskette paßt.
Gegen sieben Uhr, als die Computerlabs zu machen, gehe ich nach Hause (und am Music Cafe
vorbei, aber die
machen Sonntags ohnehin um 7:30 zu und Jeff hat die Computer immer noch nicht wieder zum
Funktionieren
gebracht). Ich koche eine Riesenportion Spaghetti, und lege mich danach zum Entspannen ins
Bett.
Sebastian ruft an (eigentlich, um den Aufenthaltsort von Sarah herauszufinden), und ich verabrede
mich mit ihm bei 'Harpo's', einer Sportkneipe in der 10.Straße auf ein Bier.
Viertel nach Zehn, Sebastian und seine zwei Frauen (Sia und Sarah) sind schon da, und die Kneipe
ist
recht leer - niemand scheint Sonntag abends auszugehen. Wir spielen Billiard, und später
spazieren
wir bei Fast-Vollmond über die Klippe im
Capen Park. Dort ist es ziemlich kalt (es ist ja immer
noch
Winter), und gegen Viertel nach Zwölf bin ich zu Hause und im warmen Bett.
- 4.3.96: Montag. Betriebssysteme-Vorlesung, gefolgt von einem
Treffen mit Tim
von der Marketing-Gruppe und anschließendem Arbeiten am Datenbank-Paper. Mittags fahre
ich nach
Hause, Spaghetti essen, um Nachmittags um zwei Uhr im Stanley Lab mit dem zuständigen
Systemverwalter zusammenzutreffen und die Treiber und Konfigurationen zum Anschluß
meines
ZIP-Drives vorzunehmen.
Der Nachmittag vergeht mit Uni-Sachen und eine ziemliche Frühjahrsmüdigkeit macht
mir
zu schaffen.
Am Abend ist Campus-Peaceworks-Treffen, und es stellt sich heraus, daß niemand so recht
an einer
Kampagne gegen neue Parkhäuser interessiert ist. Aber die
Peaceworks-Homepage
existiert und füllt sich dank meiner Arbeit solangsam mit Inhalt.
Um halb Neun treffe ich Vanaja in Brady Commons zur Besprechung des Datenbank-Papiers, aber
wir sind
beide so müde, daß wir neben ein paar Diagrammen nichts mehr hinbekommen.
Danach fahre ich nach Hause, und lande recht früh im Bett.
- 5.3.96: Dienstag. Vorlesungen, ich bastele die
Campus-Peaceworks-Homepage, und
außerdem macht mir die Frühlingsmüdigkeit ziemlich zu
schaffen.
Um Viertel nach Drei, nachdem ich Gabi auf eine Tasse Tee traf, treffe ich mich
mit dem Marketing-Campagining-Dozenten, heute morgen Besprechungen mit allen
Kursmitgliedern angeordnet hat.
Ab vier Uhr schreibe ich mit Vanaja am Datenbank-Proposal für unser
Kursprojekt, und um halb Sieben (wieder genau auf dem Klettertreffen) findet
die zweite Vorbesprechung für die Reise nach New Mexiko statt. Die dauert
recht lange, einige neue Gesichter tauchen mit auf, und danach kochen Gabi
und ich zu Hause noch etwas und gehen schlafen.
- 6.3.96: Mittwoch: Arbeit am DBMS-Proposal und Vorlesungen
füllen den Tag. Nichts bemerkenswertes ist zu berichten.
- 7.3.96: Kurse, Computerkram. Siehe oben.
- 8.3.96: Betriebssysteme-Vorlesung am Morgen.
Danach radele ich Einkaufen bei Aldi, kaufe eine Gallone Methanol als
Brennstoff für meinen Kocher bei Taum Sauk und fange am Nachmittag an,
meinen Rucksack zu packen - um fünf Uhr ist Abfahrt nach New Mexiko
für die Frühlingsferien.
Gabi verzögert mein Packen gehörig, indem sie beim Schuhe sprühen
ordentlich petroliumhaltige Lösungsmittel einatmet und danach erst mal eine
Stunde im Wohnzimmer liegt und frische Luft schnappt.
Schließlich radeln wir zu Wilderness
Adventures und treffen alle Anderen, die mitfahren. Die Gruppe ist
elf Leute groß und gegen 18:30 fahren wir endlich los.
- 9.3.-15.3.1996: 'Cultural Exploration' in New Mexiko, Wandern & Zelten im
Bandelier National Monument, Ruinen-Exkursionen und heiße Quellen.
Folgender Text gibt ein paar Eindrücke des Erlebten wieder:
Bandlier National Monument ist eine Reise wert, auch wenn ich das nächste Mal vielleicht
mit weniger als mit 11 Leuten und mit ein paar erfahreneren Rucksacklern hingehen würde.
Die Landschaft ist eine Serie Canyons, die alle im Rio Grande Canyon münden (tief, felsig,
alles
vulkanisch). Zwischen den Canyons stehen recht flache Plateaus ('Mesas'). Übrigens rund
um
Bandelier sind überall Labs des 'LANL' - Los Alamos National Laboratory. Beruhigend.
Die Ranger
am Visitor Center haben mir erzählt, daß die einmal im Monat Wasserproben holen
kommen.
Bandelier ist durch eine große Vulkanexplosion entstanden. Der Krater ist noch da und hat
14 Meilen Durchmesser und ein 12000-Fuß-Randgebirge.
Doch wofür der Park eigentlich bekannt ist (und die meisten der anderen Monuments in
New Mexiko) sind die Puebloruinen von Indianerstädten aus dem 12-15.Jahrhundert.
Im Hauptcanyon (Frijoles Canyon) gibt es ein langes, an eine Tuffsteinfelswand gebautes
Pueblo, und ein freistehendes, ringförmiges Pueblo (bzw. Ruinen davon).
Dazu jede Menge 1-3 Familienruinen auf den Mesas (mit großen Mengen bemalter Scherben
darum). Ein paar Felsmalereien sind vorhanden.
Wir hatten ein Anthropologin/Arachäologin der Uni dabei, und so bekamen wir einiges
über die Geschichte der Anasazi (so hießen die Indianer hier) zu hören.
Das Wetter war recht erträglich, tagsüber brannte die Sonne (wir waren
schließlich
zwischen 6000 und 7000 Fuß hoch unterwegs), und nachts war es irgendwo zwischen
-5 und 0 Grad (C) (das heißt Celcius, nicht Copyright).
Den Hauptcanyon 'runter gibt es zwei Wasserfälle in malerischen, rot-gelb-
gebänderten
Felsen, die wir besucht haben. Weiter unten (so 5 Meilen) trifft man auf den Rio Grande,
und die Landschaft dort ist geradezu gespenstisch - tote Bäume, schroffe Felsen, der
Fluß
zieht sich träge dahin wie tot.
Einen drei-Tage-Hike hatten wir geplant, er sollte uns zur 'Painted Cave' zwei Canyons weiter
südwestlich führen. Was im Detail bedeutet:
- runter in Frijoles Canyon, raus aus Frijoles Canyon (der Weg ist nicht zu steil)
- ca. 3-4 Meilen übers Mesa wandern.
- runter in Alamo Canyon (kniehohe Steine als Stufen, supersteil), Aufstieg aus Alamo
Canyon (noch steiler)
- 3 Meilen Mesa überqueren
- runter in den Zielcanyon, 2 Meilen bis zur Campingzone.
Nun wäre das alles nicht so schlimm gewesen, wäre es nicht eine Gruppe aus
Anfängern gewesen.
Beim Mittagessen im Alamo-Canyon stellten wir folgende Dinge fest:
- 3/4 der Leute hatten ernsthafte Blasen & Schürfungen (und
Erschöpfungserscheinungen)
- wir hatten 1 1/2 Mittagessen verdrückt statt dem geplanten einen.
- das Wasserfilter ist kaputt (und wir hatten jemand mit Iodallergie in der Gruppe)
Dazu war's ausreichend spät am Nachmittag, und einen Nachthike wollte auch niemand
einlegen und Spielereien wie 'Lothar leert seinen Rucksack aus und geht halt noch mal
zurück, um mehr Essen zu holen' nahm auch keiner so richtig ernst.
Schließlich schlugen wir uns in die Büsche, folgten einem trockenen Wasserlauf
außer
Sichtweite des Trails und schlugen unser Lager unter ein paar recht eindrucksvollen Tuffkegeln
auf (natürlich außerhalb der Campingzone, die einen Canyon weiter ist - ich scheine
dazu verurteilt
zu sein, Nationalparks ständig nur illegal zu betreten). Von den nicht mehr allzu frischen
Bärenspuren ließen wir uns nicht irritieren.
Am nächsten Morgen gingen wir zurück zum Frojoles Canyon, wo sich der
Großteil der Gruppe zum
Bummeln und Erhohlen entschied, und fünf Leute beschlossen, im Rio Grande schwimmen
zu gehen.
Diesmal dauerte es es nur 40 Minuten, aber als wir ankamen, bließ ein derartig kalter Wind
durch den
Canyon, daß die Schwimmerei kein Thema mehr war.
Die folgenden Tage fuhren wir diverse Ruinenstätten an (Pecos, Tsankawi) und Highlight
der
Woche war eine Fahrt zu den heißen Quellen auf dem Kraterrandgebirge. Nach einer Stunde
Fahrt Mitten ins Nichts und einem abenteuerlichen Aufstieg auf einen Berg erreichten wir
einen der atmosphäregeladensten Orte, die ich je gesehen habe: zwischen großen
Felsen
sprudelt heißes Wasser hervor und bildet drei große Teiche (die alle verschiedene
Temperaturen haben). Ein paar andere Leute sind schon da und haben Fackeln mitgebracht.
Rund um uns sind Felsen und hohe Tannenbäume, über uns die Sterne (in klarster
Luft), wir sind
irgendwo um 11.000 Fuss hoch, es friert, und wir alle nehmen ein zwei Stunden dauerndes
heißes Bad (was mich daran erinnert, das in der Gruppe von 11 nur 3 Männer waren).
Dampf steigt überall auf und die Fackeln verbreiten im Nebel ein weiches Licht (und nicht
das jemand Fotos erwartet, ich wäre vermutlich gesteinigt worden).
Falls jemand mal in der Gegend ist: Highway 4 in den Krater nehmen, und nach der Abzweigung
nach 'Ponderosa', nach 5-10 min kommt auf der linken Seite ein Parkplatz, da beginnt der
Pfad zur Quelle.
Zurück fuhren wir dann einen Tag früher, weil der anvisierte State Park bei
Las Vegas, New Mexiko der Gruppe
mißfiel (mir gefiel er, aber bitte), und so waren wir Samstag mittags nach 20 Stunden
Fahrt wieder zurück in Missouri.
- 16.3.96: Rückkehr nach Columbia. Gegen ein Uhr
am Nachmittag hält der Minibus von Wilderness
Adventures in Columbia. Ich hatte eine ziemliche miese Fahrt
und praktisch keinen Schlaf in 32 Stunden.
Dafür aber Gliederschmerzen von den engen Sitzen. Alles in allem bin ich
ziemlich am Ende.
Wir laden das Fahrzeug aus, und Gabi und ich packen unsere Sachen in und um
die Rucksäcke, um noch per Fahrrad nach Hause zu fahren.
Ich lege mich erst einmal schlafen, und am frühen Abend kocht Gabi
Spaghetti. Ich bin inzwischen ernsthaft krank - Fieber und Durchfall.
Hoffentlich nichts ernstes aus dem Quellwasser im Alamo Canyon.
- 17.3.96: Den heutigen Sonntag verschlafe ich weitgehend
mit Fieber. Dazwischen renne ich ein paarmal aufs Klo. Gabi fährt ins
Computerlab, Papers schreiben.
- 18.3.96: Montag, ich gehe zum Health Center, bekomme mal wieder
Antobiotika und außerdem grassiert in Columbia zur Zeit eine Magen-Darm-Grippe,
so daß ich mich nicht unbedingt beim Wandern etwas eingefangen haben muß.
Der Tag vergeht recht schläfrig, ich bekomme nichts von den anstehenden
Arbeiten erledigt, und abends trifft sich die Marketing-Creative-Gruppe zum Layout
diverser Sachen, wo ich ziemlich nutzlos rumsitze, weil ich einen viel zu dicken
Kopf habe.
Vor meiner Haustür kippt mir das Fahrrad um und ein Bremshebel bricht.
- 19.3.96: Dienstag. Mit geht es besser, das Fieber verschwindet,
ich sitze meine Vorlesungen ab, verschlafe den Nachmittag und verbrinde zwei Stunden des
Abends in einem leeren Classroom zwecks Planung des Betriebssystem-Programms, das
nänchste Woche abzugeben ist. Dazu gibt es noch ein Bündel Fragen für
Datenbanken zu beantworten und ein digitales Bild zu manipulieren für 'Electrnic
Photojournalism'. Von dem Zirkus der Marketingklasse in den nächsten zwei Wochen mal
ganz abgesehen:
wir werden drei Computerpräsentationen mit vorausgehender Werbung haben - bis zum
3.April.
Am Nachmittag treffe ich Sarah, und sie ist auf der Suche nach dem Treffen des Kletterclubs,
um Leute für ihren ManEater-
Artikel zu
interviewen. Sie hat die Spring break doch nicht in Florida verbracht, wie sie ursprünglich
vorhatte, sondern bei ihren Eltern.
Um neun Uhr ist Zeit für den Stammtisch bei Shakespeare's, und heute kommt genau eine
Person neben mir (und es war nicht Gabi). Naja, trotzdem nette Unterhaltung, was soll's.
Ich habe zwei neue Bremshebel zum Preis von $15 erstanden, im Fahradladen in der Cherry
Street.
- 20.3.96: Mittwoch. Betriebssystemvorlesung, Programmieren,
Mittagessen.
Danach schreibe ich ein paar der Datenbank-Aufgaben ins Reine, und dann ist es Zeit, in die
Military Science Vorlesung zu radeln. Dort werden wir mit den grundlegenden Sicherheisregeln im
Umgang mit Waffen vertrautgemacht, und nächste Woche am Dienstag ist großer
Schießtag
auf dem Schießplatz bei den Finger Lakes. An
dem Morgen
habe ich eine Apple-Promotion, und so muß ich noch sehen, ob ich hinfahren kann (aber
wenn ich denn
schon mal die Fotografiererlaubnis habe...).
Um vier Uhr ist ein Treffen im International Center, zu dem Gordon Homann eingeladen hat. Er
betreut
die Austauschprogramme mit Deutschland und veranstaltet einen Erfahrungsaustausch zwischen
den
deutschen Studierenden in Columbia und denjenigen, die im kommenden Sommer nach
Deutschland
gahen, um für ein Jahr zu studieren.
Abends... Arbeit.
- 21.3.96: Im Marketing-Kurs laufen die Vorbereitungen für die
beiden Apple-Präsentationen nächste Woche auf Hochtouren. Bei den
Photojournalisten
lerne ich ein paar neue Tricks (und das neue Titelbild
ist ein Resultat davon), und in Datenbanken wird wie immer geschlafen. Der Dozent
läßt
ein Flugblatt rundgehen, in dem das Studierverhalten von EinserkandidatInnen beschrieben wird
und ich nehme das persönlich, bei der jämmerlichen Vorlesung, die er abliefert.
Am Nachmittag und frühen Abend plane ich mein Programm für 'Operating Systems
II',
welches nächste Woche abzugeben ist. Das ist trickreich, und kostet einige Zeit.
Abends koche ich zu Hause mit Gabi, und das war's.
- 22.3.96: Der Betriebssysteme-Professor, Gordon Springer,
hält uns
mal wieder eine Predigt über den Verfall akademischer Standards, die Qualität der
Studierenden und mangelndes Engagement der Graduate-Studierenden. Grund ist wohl der
Ansturm
von Leuten, die in seinem Büro aufgetaucht sind und Tips für die aktuelle
Programmieraufgabe
haben wollten sowie die Unfähigkeit einiger Kursteilnehmer, Quellen für einen
Vortrag
über aktuelle Forschung in der Betriebssystemtheorie aufzutreiben. Damit bleibt uns eine
Stunde Stoff auf der Strecke, und ich plane an meinem Programm weiter, während der Herr
Dozent
aus einer Graduate-Zeit vor 28 Jahren erzählt und dann noch einen Zeitschriftenartikel
über
den Verfall der amerikanischen Universität herbeiholt. Irgendjemand muß dem
Fachbereich
ein paar neue Zeitschriften angedreht haben, fürchte ich.
Danach lande ich bis zum Mittagessen im Computer-Science-Lab und programmiere. Am
Nachmittag bin ich
so müde, daß ich bis halb fünf erst mal schlafe, und danach gehe ich bis sieben
Uhr
weiter Programmieren. Außerdem habe ich ein neues Titelbild
für den Reisebericht kreiert.
Um sieben Uhr sind Gabi und ich mit Sarah zum Quiche-Backen in unserem Haus
verabredet, und anschließend wollen wir um halb Zehn ins Unikino, den Film 'Immortal
Beloved' über
Beethoven's Leben anschauen gehen. Sebastian gesellt sich für den Film zu uns, und danach
spielen
wir Bowling in den 'Brady Lanes' in Brady
Commons. Obwohl ich die
ersten drei oder vier Runden vollkommen verhaue, gewinne ich am Ende mit einer Serie Strikes,
nachdem ich
endlich herausgefunden habe, wie die Kugeln mit den Löchern geworfen werden.
Sebastian ist müde und geht nach dem Spiel schlafen, und Gabi und ich schauen uns mit
Sarah auf
ihrem Videorecorder noch John Cleese's 'How to irritate people' an, bis es endlich wieder vier
Uhr morgens
ist und wir alle schlafen gehen.
- 23.3.96: Samstag. Ich verbringe den größten Teil des
Tages im Computerlab, an der aktuellen Betriebssystem-Aufgabe arbeitend. Das ist ziemlich
schwierig, und am Abend komme ich erschöpft spät nach Hause. Nicht, daß das
Programm auch nur annährend täte, was es soll.
- 24.3.96: Die Sonntagsbeschäftigung ist ... Programmieren.
Ich finde ein paar Fehler, mache ein paar Neue und am Abend läuft immer noch nichts so
richtig.
- 25.3.96: Montag - Tag der Betriebssysteme-Deadline. Nach der
Vorlesung schaue ich im International Center vorbei, um mir Auskunft über ein
Steuerformular, welches mir die Uni geschickt hat, zu holen. Ich muß tatsächlich die
Studiengebühren, die das Austauschprogramm mir erläßt, als Einkommen
deklarieren!
Der Nachmittag vergeht im Computerlab, tüfteln am Betriebssysteme-Programm.
Um sieben Uhr trifft sich Campus
Peaceworks mal wieder, und diesmal kommen inclusive mir ganze drei Leute. Immerhin wird
meine Idee, ein T-Shirt zu machen, positiv aufgenommen.
Schließlich lande ich wieder am Computer - diesmal mit Ohrstöseln ausgerüstet,
um die lästigen Nebengeräusche im Lab loszuwerden - und bastele weiter an meinem
Programm. Gegen Mitternacht sieht es so aus, als würden meine
Speicherverwaltungsroutinen endlich funktionieren - aber es ist noch viel Arbeit zu tun, ich werde
also zu spät abgeben.
- 26.3.96: Am Morgen fällt die Campaigning-Vorlesung zu Gunsten unserer
Apple-Promotion im Unikrankenhaus aus. Leider nicht die einzige Veranstaltung, die ausfät:
das Schießen im Rahmen der Military Science Vorlesung ist wegen schlechten Wetters -
genauer gesagt Wind und etwas Schnee - gestrichen. Ärgerlich, wo ich doch eine Fotografiererlaubis
hatte.
Meine Schicht am Apple-Stand beginnt um 10:35, und die Gruppe davor hat
es gerade geschafft, die Tische und die Computer aufzubauen. Ich packe mein Apple-T-Shirt aus,
und lungere eine Stunde lang um den Tisch herum. Vier von fünf Fragen, die ich von
Passanten gestellt bekomme, muß ich an Kelly (den Apple-Vertreter) weiterreichen und im
Allgemeinen komme ich mir ziemlich überflüssig am Stand vor, aber der liebe Dozent
möchte es eben so. Wenigstens gibt es direkt unter der Treppe, dir vor der medizinischen
Bibliothek ins Untergeschoß führt, einen Freßstand, wo es leckere Spaghetti mit
Bohnen für nur zwei Dollar gibt - eine echte Alternative zu dem ewigen Fastfood-Mist in
Brady Commons.
Danach gehe ich zu 'Electronic Photojournalism',
und dann ist Datenbanken dran. Am Nachmittag
programmiere ich weiter am Operating Systems-Projekt, aber nach weiteren drei Stunden steht fest:
der ursprüngliche Plan, eine Ersatzfunktion für die Speicherallokationsroutine des
Betriebssystems zu schreiben, die mein 'shared memory' verwaltet, um diese dann einfach in das
fertige 1.Projekt einzubauen, läßt sich nicht ohne größere Änderungen
umsetzen - ich gebe auf und schicke dem Dozenten eine E-Mail, daß mir die Zeit nicht
ausgereicht hat.
Um 6:30 gehe ich klettern an der Kletterwand im Student
Recreation Center - endlich mal wieder! Das fehlende Training merkt man an den Schmerzen in der
Hand und am schnellen Ermüden der Arme. Sarah Samson schaut vorbei, um letzte Gespräche
für ihren Maneater-Artikel zu führen.
Den deutschen Stammtisch lasse ich heute ausfallen, es kam die letzten Wochen ohnehin niemand mehr,
und ich beschließe, zukünftig nicht mehr hinzugehen.
- 27.3.96: Nach der Betriebssysteme-Vorlesung ist Apple-Zeit. Heute ist der
Stand in der 'School of Education' dran, wo ich meine Stunde Rumhängen von 9:35 bis 10:35
absolviere. Praktischerweise ist der Stand gerade gegenüber der Bibliothek mit den
Macintosh-Computern mit ZIP-Drives, und ich gehe dorthin, um mein Homepage-Update für
'Electronic Photojournalism' zu machen - morgen
ist mal wieder eine Kritik-Session für Homepages. Ich beschließe, die Bildergalerie
zum Weihnachtstrip durch den Südwesten mit etwas Layout
zu versehen.
Die Military Science Vorlesung fällt aus - es war ja Schießen geplant (was wegen zu
starkem Wind ausfiel).
Am Nachmittag mache ich mich daran, die Datenbank-Aufgaben, die bis Samstag fällig sind,
zu machen. Es handelt sich um die Midterm-Klausur, welche aus einer ziemlichen Menge Fragen
aus dem Buch zur Vorlesung besteht.
Am Abend koche ich mit Gabi, und gehe zum ersten Mal seit Tagen vopr Mitternacht ins Bett.
- 28.3.96: Heute gibt es wieder Vorlesungen
nach Plan. Den späteren Nachmittag verbringe ich in der Bibliothek mit dem Anfertigen
meiner Datenbank-Aufgaben sowie etwas Arbeit am nächste Woche abzugebenden
'Progress Report' zum Datenbankprojekt.
Bei einer Teepause läft mir Sarah über den Weg, und ich lade sie zum Abendessen
ein. Gabi hat schon gekocht - Spinat-Nudel-Auflauf - und danach schauen wir uns noch
ein Video an:
'High Heels'
von Pedro Almodovar. Schließlich sind wir alle müde genug und gehen schlafen.
- 29.3.96: Freitag. Nach der Betriebssysteme-Vorlesung kopiere ich
noch einen Artikel aus einer Zeitschrift, über den ich einen Vortrag halten werde,
und drucke die neue Aufgabenbeschreibung für das nächste Betriebssystemeprojekt
aus. Dann radele ich nach Hause, um meinen Rucksack mit Klettersachen zu packen. Ich fahre
mit einigen Leuten vom Kletterclub irgendwo etwa eine Stunde nörldlich von Columbia
klettern.
Ich werde um 11 Uhr abgeholt, und nach etwas Fahrt kommen wir an einem Felsen, umrandet von ein paar
Bäumen und Farmland an. Die Klippe ist etwas höher als Capen
Park, und wir klettern, bis es dunkel wird. Übernachtet wird in Zelten (diesmal nicht in
meinem, da die Anderen genügend Zelte dabei haben).
- 30.3.96: Am Morgen bauen wir die Zelte ab, klettern noch eine Runde und sind
gegen Mittag wieder in Columbia.
Ich koche mir Spaghetti zum Mittagessen, und danach schreibe ich im Music Cafe meine Datenbankaufgaben
ins Reine, um sie schließlich im Mathebau unter der Tür des Professors
durchzuschieben. Das dauert bis ca. vier Uhr am Nachmittag. Danach schreibe ich noch am Tagebuch
und experimentiere mit Photoshop (einem Grafikprogramm zum Manipulieren von Fotos).
Am Abend - ich sitze eine Weile im Musik Cafe und recherchiere online nach Fotos von
Bill Clinton und Bob Dole, den beiden Kandidaten für die kommenden Präsidentschaftswahlen
in den USA. Am Ende soll das ganze ein T-Shirt für Campus
Peaceworks werden. Auf deren WWW-Seite ist denn auch das aktuelle Design zu finden.
Es regnet in Strömen, und weil ich keine Regenjacke dabeihabe, bleibe ich noch eine Weile im Cafe
und lese in meinem Betriebssysteme-Artikel, über den ich am Montag übernächster Woche einen
Vortrag halten muß. Schließlich taucht Sebastian auf, und wir leihen ein Video aus
('Naked Lunch' von Cronenberg, weil 'Dr. Strangelove' schon verliehen war) und gehen zu mir.
Sarah hat mir und Gabi einen Fernseher und Videorecorder ausgeliehen. Der Film ist ungewoehnlich, aber
gut (obwohl Sebastian und Gabi anderer Meinung sind).
- 31.3.96: Sonntag. Ich muß für Mittwoch einen kurzen Vortrag
über 'Military Intelligence' halten (für die 'Military Science' Vorlesung natürlich,
wofür auch sonst), und habe neben einem Projekttreffen am Abend und Artikellesen für
Betriebssysteme heute eigentlich nichts vor. Dann ruft Sarah an, ob wir mit ihr einkaufen fahren wollen,
und überhaupt würde eine Freundin von ihr malayisch kochen, und ob wir nicht Lust hätten,
mitzuessen. So fahren Gabi und ich also mit Sarah und Isanne (wie immer man den Namen schreibt) einkaufen
und danach kochen wir Reis, chinesische Nudeln und gebackene Hähnchen. Das dauert den gesamten
Nachmittag, aber ich komme immerhin zum Lesen (nach der rituellen Kissenschlacht). Schließlich ist es
halb acht Uhr, und ich bin um acht zu einer Projektbesprechung für
Electronic Photojournalism verabredet. Die ist aber auf Morgen
verschoben, und so schauen wir noch ein Video über Malaysia an, und dann treffe ich
Eric Adams, um einen Filmscanner zum Diascannen zu benutzen,
der an seinem Arbeitsplatz verfügbar ist. Um fünf Uhr morgens schließlich komme ich nach
Hause.
Weiter zum April.
Zurück auf Lothars Homepage.
Lothar Fritsch, fritsch@fsinfo.cs.uni-sb.de, PGP-Public-
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