5.9.95: Heute ist mein erster Tag im Computer Lab des
Digital Missourian.
Ich stehe um sechs Uhr morgens auf, denn um Sieben beginnt das Praktikum.
Dort trifft noch eine Jounalistin ein, und eine Dame vom DigMo weiht uns
in die Geheimnisse des "Electronic Publishing" ein. Das heißt,
wir starten unter OS/2 eine Windows-Session, unter der dann eine Art
News-Datenbank läuft, in der die Zeitungsartikel der Papierausgabe
geschrieben und verwaltet werden. Diese werden von einem Team in HTML
umgeschrieben. Das ist überwiegend dumpfe Handarbeit, weil die
entsprechenden Makros zur Headererzeugung usw. in der Textverarbeitung
schon vordefiniert sind und die Arbeit aus doofer Klickerei besteht.
Aber ich will ja nicht gleich am ersten Tag die Zeitung revolutionieren,
indem ich das Skript schreibe, welches die Artikel automatisch
überträgt.
Danach wird es für mich besonders spannend: wir bekommen das
World Wide Web und die Search Engines
erklärt. Anschließend bekommen wir ein paar Themenfelder und
dürfen für die Zeitung "Netsurfen" - daß heißt
nach gängiger Lesart, kostenlos die Informationen anderer Leute
abrufen und vermarkten. Das tut übrigens auch das Microsoft
Network, welches ein paar Rechner im selben Raum stehen hat. Hier
durchsuchen und kategorisieren einige Studenten den ganzen Tag lang
das World Wide Web, damit Microsoft Network es katalogisiert an seine
Kunden verkaufen kann - die nicht mal merken, daß sie das
Microsoft Network verlassen.
Um 10 Uhr bin ich mit der Frühschicht fertig und mache mich daran,
endlich mal einen größeren Brief an meine Eltern zu schreiben.
Darauf folgt die Mittagspause, eine Computersession zum Zeitunglesen
(hat in Saarbrücken doch wirklich der Blitz eingeschlagen) und dann
die Datenbankvorlesung, in deren Verlauf ich fast einschlafe. Immerhin
finde ich einen "Team Member", mit dem zusammen ich die Ehre haben werde,
das "Term Project" - die Implementation einer Datenbank in Oracle -
zu planen und durchzuführen. Er heißt Lim und ich werde
ihn morgen treffen, um erste Planungen vorzunehmen.
Um 3:40 bin ich wieder bei den Journalisten im Seminar. Wir höhren
über die Verunsicherung der Branche wegen der digitalen Medien,
über in den Sand gesetzte Millionenbeträge, weil World Wide
Web einfach passiert ist, ohne die Entwickler anderer Online-Systeme
um Erlaubnis zu fragen und wir sehen ein visionäres Video über
"Tablets" - flache Din-A4-Multimediacomputer, die man mit sich herumträgt
und die Zeitungen und alles mögliche anzeigen und einem sogar die
Zeitung vorlesen. Das Projekt wurde inzwischen aufgegeben.
Ach ja, das Wetter kühlt sich langsam ab - es wird erträglich.
Am Abend ist wieder Stammtisch bei Shakespeares Pizza. Es kommen einige
alte, einige neue Leute, und gegen Mitternacht sind wir alle wieder
zu Hause.
Arschloch
des Tages ist Jaques Chriac: trotz Verletzung internationaler
Verträge und weltweiter Proteste läßt er französische
Atomwaffen im Pazifik testen. Heute fand der erste Test statt.
Alles Weitere dazu erzählt Dir gerne Greenpeace selber.