Naja, die Überschrift sagt es eigentlich, aber nochmal auf gut Deutsch: hier liegen die 'Sägespäne' der Tagebuchschreiberei. Ungeordnet. Unzensiert. Ungelesen?
Bettler haben 'Arbeitsverbot' auf dem Campus der University of Missouri-Columbia.
Die stören das Bild, als weg damit. Nicht, daß man damit seine Ruhe
vor Belästigungen hätte: die Wöchentliche Ausgabe des 'Add Sheet',
einer komerziellen Werbeanzeigenzeitung wird von Drückern auf dem gesamten
Campus den Studierenden aufgedrückt (wobei dies zum Einen kostenlos ist
und zum Anderen sind die Drücker Patienten einer Entzugs- und Resozialisierungseinrichtung
für ehemalige Abhängige). Wesentlich nerviger sind jedoch eine andere
Sorte Bettler: die Kredit- oder Telefonkartenhaie. Sie stehen mit ihren Tischen
am Anfang des Semesters auf dem Campus, schreien einem 'Free T-Shirt! Just sign
up!" entgegen und werfen einem ein T-Shirt um den Hals, wobei man ein Schreibbrett
mit Kreditkartenvertrag unter die Nase gehalten bekommt. Ich geb's zu, nicht
alle dieser WerberInnen sind so aufdringlich, aber das ist mir mindestens
vier Mal passiert. Betteln um meine Unterschrift ist also erlaubt, solange
eine Firma dahintersteckt, die die Universität für das Privileg
der Belästigung bezahlt.
Eine kleine Beobachtung am Rande: wenn man Ausländer ist, keine
Kreditgeschichte in den USA hat und am Besten auch keine Kreditkarte in Europa
sein Eigen nennt, kann man stapelweise T-Shirts einsammeln, bekommt aber eher
selten eine Kreditkarte, außer man kämpft darum.
Wem die paar Megabyte auf SHOWME nicht reichen, um seine Daten abzuladen, kann im Heinkel-Building Kennungen für den SGI-Cluster beantragen. Dort gibt es 10MB Plattenplatz und Unix-Workstations. Die Rechner stehen im Physics Lab und im General Classroom Building, sind aber auch per Netzwerk erreichbar.
In Missouri, wie in den meisten anderen amerikanischen Bundesstaaten, gibt es
keinen Alkohol unter 21 Jahren - obwohl man mit 18 schon volljährig ist und
mit 16 Autofahren darf. Das geht so weit, daß man Lebensmittelmärkte
von Alkohol befreit und im selben Gebäude in einem seperaten Laden die
Spirituosen handelt. Dort muß man ständig Ausweise vorzeigen, um zu
beweisen, daß man alt genug ist. Und wenn die Verkäfer schlechte
Laune haben (zum Beispiel passiert im Osco Drugstore), erkennen sie keine
ausländischen Pässe an - eghal, wieviele amerikanische Einreisestempel
darin sind.
Schlimmer ergeht es Jugendlichen, die jünger als 21 sind undd mit Alkohol
auffallen: nicht nur, daß es in Columbia die 'Open Container Law' gibt,
nach der man bestraft wird, wenn man in der Öffentlichkeit Alkohol trinkt
oder offene (daß heißt: unverhüllte) Behälter mit Alkohol
mit sich herumträgt, es gibt das Delikt 'Minor in Possesion'. Wer erwischt
wird, wird festgenommen, angeklagt und kann mit Geldstrafen um die 300 Dollar
und Arbeitsstunden rechnen.
Wer betrunken beim Autofahren erwischt wird, zahlt ein paar Dollar, und falls
er irgendwann einmal den Führerschein entzogen bekommt, macht er einen
neuen zum Preis von weniger als 50 Mark. Immer auf die Kleinen, wie es scheint.
In größeren Städten ist es gängige Praxis, da&sdzlig; Kneipen
Türsteher haben und niemanden ohne Ausweis und ausreichendem Alter
herein lassen. Man kann also von mir aus in Downtown San Francisco wohnen -
solange man nicht 21 ist, geht man an die Saftbar oder bleibt zu Hause und
guckt Video oder hängt in Gruppen auf der Straße rum. Beliebt ist
bei den frischgebackenen AutofahrerInnen auch das 'Crusing', wo man sich ab 16
ein Auto besorgt, und den ganzen Samstagabend die In-Meile der Stadt auf- und
abfährt, allen Bekannten (vorzugsweise denen ohne Auto) zuhupt und dabei
Cola trinkt und die Autostereoanlage dröhnen läßt.
In Amerika gibt es Pfand auf fast alle Getränkebehälter, seien es
Plastikflaschen, Bierdosen oder Sixpacks - man glaubt es kaum.
Das ist zwar kein Bundesgesetz, aber
immer mehr Landkreise verordnen das Pfand mangels Deponieplatz. So auch in
Columbia: man zahlt fünf Cents Pfand pro Behälter. Nicht, daß
dies sonderlich zur Rückgabe motiviert: die Mülleimer in den Straßen
und der Universität sind voller leerer Dosen und Plastikflaschen.
Nun hat Coca Cola allerdings auch einen schäbigen Trick gefunden, sich
aus der Affäre zu ziehen und auch noch das Pfand zu kassieren: die
Getränkeautomaten kassieren fünf Cents mehr als der eigentliche
Verkaufspreis beträgt, und dafür klebt ein Schild auf den Automaten:
das Pfand wird bei Rückgabe der leeren Dose am Firmensitz erstattet - und der
liegt - man ahnt es - im Industriegebiet am A*sch der Welt.
Recycling findet trotzdem statt - manche nennen es auch das soziale Netz
Nordamerikas. Die Homeless People - Obdachlose, Penner, überzeugte
Nicht-Seßhafte - sind den ganzen Tag über mit Plastiktüten
voller leerer Dosen anzutreffen, die sie aus den Mülleimern wühlen und
von der Straße auflesen, die sie dann in die Supermärkte tragen,
um den Pfand zu bekommen. Eine Fotoreportage über die Obdachlosen in Columbia
gibt es übrigens auf der Homepage einer Fotojournalistin.