Dieser Text behandelt Vorlesungen, Vorlesugsstil und -organisation an der University of Missouri-Columbia aus Sicht eines Studenten. Die Darstellung erhebt selbstverständlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit, und beschreiben wird, was im Kontrast zu Vorlesungen an der Universität des Saarlandes erwähnenswert erscheint und dient in erster Linie dazu, Studierenden, die an der Teilnahme am Austauschprogramm zwischen den beiden Universitäten interessiert sind, ein paar Anhaltspunkte zu geben, was sie erwartet. Wird im folgenden Text von 'der Universität' berichtet, so ist diejenige in Columbia gemeint.
Die Vorlesungen in Columbia sind nach Fachbereichen getrennt und
durchnummeriert. Im Vorlesungsverzeichnis
hat jede einzelne Veranstaltung eine eindeutige 'Reference-Number', und zusätzlich eine laufende
Nummer im jeweiligen Fachbereich. Die Liste ist nach letzteren Nummern aufsteigend
geordnet, und wenn Studierende über Vorlesungen reden, benutzen sie meistens
die Nummern und nicht die Namen. Die Frage, ob man 'J369' belegt meint beispielsweise,
ob man an der School of Journalism Kurs 369 - New Media - belegt.
In Vorlesungen muß man sich zu Anfang des Semesters
einschreiben, und in der Regel gibt
es eine von vornherein feststehende Anzahl von Plätzen in einer Vorlesung.
Diese kann zwar überschritten werden, das bedarf aber eines gewissen
bürokratischen Aufwandes (siehe Consent
Cards.
Zur ersten Vorlesung begibt man sich in seinen Hörsaal. Wenn es nicht gerade
die beliebten Anfängervorlesungen in Mathematik sind, handelt es sich dabei
eher um Klassenzimmer mit 15 bis 50 Plätzen.
Der oder die DozentIn taucht auf, vergleich die Liste der registrierten Studierenden
mit denjenigen, die anwesend sind, und verteilt daraufhin den sogenannten
Syllabus. Dabei handelt es sich um eine Zusammenfassung des Kursablaufs,
des Kursinhalts und eventuell bereits der Klausurtermine. Dieses Papier sieht
von Dozent zu Dozentin verschieden aus, enthält aber immer folgende
Eckdaten: Voraussetzungen zur Teilnahme am Kurs, Name, Telefon und Sprechzeiten
des Lehrenden, Inhalt des Kurses, Literaturangabe zum Kurs sowie einen
Überblick über die zu erbringenden Leistungen und wie sich verschiedene
Aufgaben auf die Note auswirken. Das sieht beispielsweise so aus:
Homework 5%
4 Projects at 15% each
Midterm 15%
Final 20%
'Midterm' meint Klausuren, die irgendwann im Semester geschrieben werden, und
'Final' steht für das 'Final Exam' am Ende.
Wer hat Angst vor einer Multiple-Choice-Klausur? Jedenfalls denkt man als
erstes daran, wenn man von Klausuren im Zusammenhang mit den USA spricht.
In der Tat sind MC-Klausuren hier durchaus beliebt, das hei^ßt aber
noch lange nicht, daß man sie durch logisch fundiertes Ausstreichen
falscher Lösungen so einfach besteht wie die deutsche theoretische
Führerscheinprüfung.
Das Design der Klausur ist Aufgabe des/der Dozenten. Alle Arten von Fragen
kommen vor, und manchmal werden auch stichwortartige Antworten erwartet.
Es gibt die sogenannten 'Midterms', und damit sind die Klausuren gemeint,
die irgendwann während des Semesters geschrieben werden. Üblicherweise
konzentrieren sie sich um zwei Wochen in Semestermitte, es gibt aber auch
Kurse, die mehr als ein 'Midterm' schreiben.
Am Ende des Semesters ist die 'Final Week', die mit dem nächsten Tag
nach dem 'Stop Day', dem letzten Vorlesungstag, beginnt. Die 'Finals'
sind die Abschlußklausuren, und deren Termine werden von den
Fachbereichen festgelegt, so daß es durchaus passieren kann, daß
man zwei davon am selben Tag schreiben muß. Und natürlich sind
alle Studierenden während der 'Midterms' und der 'Finals Week' noch
gestreßter als sonst und haben gar keine Zeit mehr für sonstige
Aktivitäten.
[wird erweitert...]