Nein, dies ist nicht die lange versprochene Ausarbeitung des Reiseberichts. Dies ist ein Appetithäppchen, damit Ihr etwas zu sehen habt, solange ich den eigentlichen Bericht noch nicht fertig habe. Weiter unten gibt es ein paar Fotos zu sehen, und dann ein kurzer Bericht, der sich mit einigen Pannen beschäftigt, die bei so einer Reise entstehen können.
Copyrighthinweis: das Urheberrecht an den Bildern liegt bei Lothar Fritsch. Veröffentlichung ohne Genehmigung ist untersagt.

Die Silhouette von Phoenix, AZ, aufgenommen auf dem Weg zum Gipfel des
'Squaw Peak', in der Abenddämmerung.

Ein Saguaro-Kaktus auf 'Squaw Peak' in der Abenddämmerung über Phoenix.

Eine Kirche im spanischen Stil, Downtown Phoenix.

Stadtansicht von Phoenix.

Ein Ort namens 'Why', südliches Arizona. Die Bewohner leben von Tankstellen und dem
Verkauf von Autoversicherungen für Mexiko.

Ein Saguaro-Kaktus mit vielen Seitenarmen im Organ Pipe Cactus National Monument.

Eine andere Art von Kaktus bevölkert die Ebenen im Organ Pipe Cactus National Monument. Das Weiße an den
Ästen sind lange, scharfe, extrem brüchige Stacheln.

Handschlag mit dem Saguaro im Organ Pipe Cactus National Monument, AZ.

Die 'Red Rocks' von Sedona, AZ. Der Rechteste in der Reihe heißt
'Tea Pot Rock'. Der 'Red Rock' ist nicht im Bild.

Der weltgrößte, erhaltene Meteorkrater, rund 50 Meilen
östlich von Flagstaff, AZ. Er befindet sich im Besitz einer
Firma und man muß Eintritt bezahlen, um ihn zu sehen.

Felsen im Zion National Park (einer der Parks, durch die ein Highway
führt, weshalb man bei einem Government-Shutdown trotzdem darin
herumlaufen kann - zumindest, bis einem die Ranger entdecken).

Talszene im Zion National Park. Überwältigend, gelle?
Die geologischen Strukturen und Erosionsspuren sind einfach unglaublich.
Aber man muß da gewesen sein, um es zu sehen.

Das Altertum in Plastik: das Luxor-Hotel und Casino in Las Vegas. Nachdem die
gewöhnlichen Casinos zu langweilig wurden, werden nun komplette
'Theme-Parks' gebaut, um Touristen in die Stadt zu locken.

Villageport am Hafen von San Diego, CA.

Nach dem gelungenen Aufstieg zum Hollywood-Schild plaudern wir
mit dem Polizisten, der uns erklärt, daß das Besteigen des Berges
illegal ist.
Am 18.12 hat American Airlines in einer Reihe Dank schlechtem Wetter verspäteten
Flügen meinen Rucksack mit Zelt, Kocher usw. irgendwohin geschickt, und in dem
Chaos dauerte es ca. 24 Stunden, bis ihn jemand in New York gefunden hat.
Der Kundenservice ist etwa: "Fuer die ersten 24 Stunden ist das Ihr Problem,
gehen Sie halt in Ihr Hotel." Auch der Hinweis, dass das Hotel im Rucksack ist
und ein biliger, reservierter Mietwagen verfällt oder $50 fuer einen ungenutzten
Tag kostet, interessierte keinen. Wir pennten am Flughafen (auf dem Teppichboden
im Managmentflur, weil er nicht abgeschlossen war und keine 'no trespassing'-Schilder
hatte). Am nächsten Tag habe ich ca. 6 Stunden lang die Autofirma und die Airline
zum Nerbenzusammenbruch gequasselt, bis uns American Airlines ein Hotelzimmer
und einen Tag Automiete bezahlt hat (und zwei Abendessen).
Die Autofirma verstand unter ihrem annehmbaren Angebot von $202/Woche ein Auto
ohne Versicherung. Weil ich als Ausländer nirgendwo als mehr oder weniger
Unfallfreier Fahrer gespeichert bin, wurde gut abkassiert:
Vollkasko war dann nochmal $22 am Tag, und zu der Summe
kommen nochmal 15% tax. Inclusive $125 Drop-off-charge fuer drop-off in Las Vegas.
Der lustige Part war dann, dass sie im VORAUS kassieren wollen und kein Bargeld
nehmen und auch keine Schecks aus Missouri. Blieb nur die Kreditkarte ... die
amerikanische hat einen $500-Kreditrahmen (weil ich ja nirgendwo als wohlhabender
Konsument gespeichert bin, obwohl ich fast $10000 auf einem Bankkonto hatte),
also mußte die deutsche Karte herhalten ... mit 2-3% Währungskommission.
Und man muß einen deadline-Tag angeben, bis zu dem sie kassieren. Nur wann
kommt man vom Wandern zurueck??? Am Ende haben sie 1500 Mark abgebucht und,
500 zurueckueberwiesen, weil wir den Wagen ein paar Tage frueher wieder
abgegeben haben (Grund siehe unten) und rate mal, wer die Währungskonvertierereien
bezahlen darf?
Jedenfalls haben sich die Jungs in Washington mal wieder in die Haare gekriegt über ihr
Budget und die Sozialkürzungen und während wir im Flieger saßen einen
weiteren Government-Shutdown eingeläutet. Prima, dachte ich, sind wir in den
Parks alleine. Mitnichten, ein paar Ranger werden dafür bezahlt, den Shutdown
durchzusetzen: aus dem Organ Pipe Cactus National Monument sind wir im hohen Bogen
rausgeflogen, wo wir reingegangen waren, nachdem wir eine Nacht in einem
Örtchen namens 'Why' (letzter Ort vor der mexikanischen Grenze) gezeltet hatten.
Im naheliegenden Indianerreservat haben wir gecampt (neben einem Geschäft mit
Tankstelle auf'm Parkplatz, der Indianer war recht nett, hatte praktisch keine
Zähne im Mund und erzählte uns vom Alkoholproblem der Papagos, welches durch
ca. zwei Kreuze pro Meile am Highway deutlich illustriert wird.
Die Nacht wurde durch eine Hubschrauberlandung ca. 25 Meter vom Zelt, vor der
Tankstelle, und einen Auflauf von Polizei und Ambulanz so nachts um halb vier
unterbrochen. Der nächste Autounfall.
Am nächten Tag fuhren wir weiter in RIchtung Tucson, und kurz vor Ende
des Indianerreservats ist der Kitt Peak - das groeßte amerikanische Observatorium.
Da kann man 'rauffahren, es gibt kostenlose Führungen und die Sicht über die
Wüste ist auch nicht übel.
In Tucson gibt es das 'Saguaro National Monument', welches natürlich geschlossen
war. Aber der sich im Besitz der Stadt befindende Kaktuswald drumrum war offen,
und mittendrin gibts einen Campingplatz, wo einfach eine Straße mit anliegenden
Schotterplätzen eine Schleife durch die Kakteen macht. Der Platz war genial,
das 'Desert Museum' auch, aber wegen der Klapperschlangen und Skorpione konnte
ich Gabi schwerlich zu einer Nacht in Schlafsäcken zwischen den Kakteen
überreden - wir haben den Campingplatz genommen.
Danach ging's weiter gen Norden, nach Oracle zur Biosphere II. In Anbetracht der
$13 Eintritt oder $5, um ins Gelände zu gelangen und Biosphere von außen zu betrachten,
fuhren wir einfach weiter, in Richtung Flagstaff/Sedona und unser Ziel war Jerome, eine
alte Kupferminenstadt auf einem Berg. Übernachtung im Auto hoch oben an einem Pass,
wo laut Karte Campingplätze sein sollten. Es gab Schnee in der Nacht (schonmal morgens
von einem Pflug geweckt worden?).
Jerome besichtigt, dann weiter nach
Sedona, wo es tolle Sandsteinfelsen gibt. Hier bleiben und Hiken wäre vielleicht
das Beste gewesen, was wir hätten tun können, aber bei $50/Tag für's Auto
beschlossen wir, durch soviel vom Südwesten durchzudüsen, wie wir können,
die Karre loszuwerden und per Bus weiterzumachen.
In Flagstaff waren wir an Weihnachten, ein nettes kleines Städchen mit
auffällig vielen Hostels - das 'Tor zum Grand Ganyon'. Außerdem ist der
'Meteor Crater' recht nah - etwa 40 Meilen östlich von Flagstaff. Für
$7 Eintritt darf man auf den Kraterrand und hinunterschauen.
Der Grand Canyon HIghway, der am Canyon entlangführt, war offen, weil Arizona den National Park Service
bezahlte, aus Angst, sich weltweit zu blamieren, nachdem im September schon russische Touristen medienwirksam von den Rangers aus dem Park geworfen wurden.
Mit Runterhiken war nix am Canyon, bloß vorbeifahren und 'runtergucken, was
in Anbetracht der riesigen Dimensionen sich eher wie 'wir betrachten ein
Mittelgebirge' anfühlte und ich war mal wieder mächtig sauer - es lag
nämlich kein Schnee und der Trail war nicht vereist, wie sonst üblicherweise
zu dieser Zeit.
Weiter ging's durchs Navajo-Reservat ('Big Mountain') nach Norden, nach Page am Lake Powell.
Bei -7 Grad wird's etwas kühl im Zelt, allerdings ist es auch ziemlich
winddurchlässig. Lake Powell ist einer der Colorado-Staudämme in der
Wüste, die Arizona & Kalifornien mit Wasser versorgen (und die genau wie am
Nil das Ökosystem im Colorado & Grand Canyon zerstört haben).
Weiter ging's durch Süd-Utah zum Zion National Park. Praktischerweise geht
hier ebenfalls ein Highway durch, den man nicht ohne weiteres Sperren kann. Doch auch hier hatten
die Ranger auch ein gestrenges Auge auf potentielle Besucher, so dass wir bloß
ein paar Stunden in eine Schlucht wandern konnten. Die Sandsteingebirge sind
monströs, weiss-rot, weich und voller Eisenerzkugeln. Die Seitenschluchten sind
ewig tief, voller Sand, und man kann 'reinwandern, bis der Himmel über einem
verschwindet und der Einschnitt zu eng wird zum Weitergehen.
Am Ende haben wir das Auto on Las Vegas abgegeben, $750 gelöhnt fuer ca. 8 Tage, und sind per Bus nach San Diego und die Kalifornische Küste 'rauf. Der langweiligste, toteste Fleck des Südwestens ist Hollywood, wie wir am Neujahrsabend herausfanden, wo wir in der Jugendherberge das Feuerwerk von Las Vegas im Fernsehn anschauten. Am nächsten Morgen kletterten wir zur Zerstreuung den Berg zum Hollywood-Schild rauf, aber oben stand schon ein Polizist unter'm Schild und meinte, das waere verboten und schickte und wieder runter. Den Abend verbrachten wir damit, einem 20-jährigen Neuseeländer, Scientologe, zuzuhören, welche Vorzüge seine Religion hätte. Hollywood ist das Zentrum der Scientology, mit drei großen Gebäuden am Hollywood-Boulevard, mit Statuen von Ron Hubbard und einem Riesenbuchladen. Übrigens interessant, wie manche Dinge zusammenhängen. Der Neuseeländer hat eine Green Card als Religious Worker für Scientology, arbeitet aber in der Personalabteilung von ABLE - Association for Better Life and Education, zu welcher Narkanon, die bekannte Drogenentzugsgesellschaft gehört... Zufall?
Santa Barbara ist ein netter Fleck, mit Bergen, Strand und schöner Atmosphäre.
Ohne Auto kommt man leider nicht in die Berge. Tauchen war auch nicht möglich,
nein, nicht wegen der Regierung, wegen des Neujahrssturmes, der das Meer so
aufgewühlt hat, daß man keine 10cm weit sah.
In Santa Cruz wurden wir dann noch zwei Tage auf nen Biogemüse-Garten eingeladen,
wo ein alter 68'er Lehrlingen das Biogärtnern ohne Maschinen beibringt. Der Fleck
war idyllisch, mitten im Wald (im recht eindrucksvollen California Redwood),
an einem Bach und Katzen gab es auch.
Vorher waren wir dort in einer Jugendherberge, wo eine ca. 35-jährige Kletterin
(stinkreich, durchgedreht) auf der Suche nach ihrem Ex-Lover war und farbkopierte
Steckbriefe in der Stadt verteilte. Sie trug Goretex und beschwerte sich, daß
die Jacke sie ohne Innenfutter nicht warmhielte (es war ca. 10 Grad ueber null).
Dann steckte sie ihre aufgetakelte 14-jährige Tochter in den neuen Ford Bronco,
schloß die Ladefläche per elektrischem Heckscheibenheber, legte die Wanderstiefel
(das 2. Paar zum Wandern, nicht das zum Ausgehen) auf die Rückbank und fuhr
los, Zettel aufhängen.
Weiter ging's nach San Francisco, in dem wir die letzten 6 Tage des Urlaubs verbrachten, und wo uns die Nachricht über die Wiedereröffnung der National[arks erreichte. Der nächstgelegene wäre Yosemite gewesen, hoch in den Bergen, kalt, eine Tagesreise entfernt. Das lohnte sich nicht mehr, in fünf Tagen ging unser Flug und mit dem Zelt wär's ein bissl kühl gewesen.
Der ganze Spaß hat am Ende so circa $1000-$1200 gekostet. Gesehen haben wir viel, außer den Nationalparks. Und ich steh jetzt vor dem Dilemma, im Mai das Geld nochmal zu verblasen, um in die Parks zu kommen, oder in der Karibik tauchen zu gehen, um dann von Mexiko aus in Richtung Südamerika zu ziehen. Oder Kanada.
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